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Opern-Tipps im Februar

Maskenbälle und Bankette

Unsere Opern-Tipps im Februar zeigen die vielfältigen Facetten des Feierns in der Oper – von pompösen Banketten bis zu faszinierenden Maskenbällen.

vonPatrick Erb,

Ob Schokolade, Eierlikör oder Zuckerguss – oder klassisch mit Fruchtkonfitüre: Beim Berliner oder Krapfen, wie er mancherorts heißt, ist der Hefeteig immer derselbe. Die Füllung dagegen variiert munter. Das im Fett gebackene Bällchen ist ein vielgestaltiger Klassiker, der zu Feiertagen generell, im Süden aber besonders zum Fasching Konjunktur hat – als kulinarischer Begleiter ausgelassener Feiern, zünftiger Alkoholräusche und nicht selten abenteuerlicher Verkleidungen.

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Ausgelassene Bankette und Maskenbälle haben auch in der Oper eine lange Tradition. Und so vielfältig wie die Füllungen sind, so unterschiedlich ist das Feiern: Mal markiert es einen Wendepunkt, mal kulminiert die Tragödie darin, mal ist es der gesamte Schauplatz. In jedem Fall aber sind diese Szenen unterhaltsam, oft pompös ausgestaltet und ein Blickfang. Frei nach der Mainzer Fastnacht bleibt also nur zu fragen: Wolle mer se agugge?

Tatort: Maskenball

Titelprägend ist das Verkleidungsspiel etwa in Verdis „Un ballo in maschera“, wo der Maskenball zum tödlichen Finale zwischen Liebe und Intrige wird. Gouverneur Riccardo liebt heimlich Amelia, die Frau seines Freundes Renato. Eine Prophezeiung kündigt seinen Tod durch die Hand eines Freundes an – und erfüllt sich, als Renato auf dem Maskenball zusticht. Am Theater Erfurt blickt Katharina Kastening hinter das Spiel mit der Maske. Wer Erfurt als Karnevalshochburg misstraut, sei nach Zürich verwiesen. Denn im Alemannischen Raum ist die fünfte Jahreszeit mitsamt Maskenumzügen und „Guggenmusik“ hochgeschätztes Kulturgut. Folgerichtig greift die Zürcher Oper Adele Thomas’ Inszenierung wieder auf, die zwischen mysteriöser Wahrsagerei und stilvoll ausgekleideten Pastellroben changiert – ein Hingucker, wie das Titelbild beweist.

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Der Weg ist das Ziel

Ein Ballsaal spielt auch in Tschaikowskys „Eugen Onegin“ eine zentrale Rolle. Onegin, der Lenski im Duell tödlich verwundet hat, kehrt nach Jahren der Wanderschaft nach Russland zurück. Der Ball vermag seine innere Leere kaum zu übertönen, doch kann die junge Tatjana sein Herz mit Leidenschaft erfüllen? Am Ende bleibt die Liebe trotz aller Anläufe unerfüllt: Onegin bleibt allein zurück, dem Konzertliebhaber immerhin eine der bekanntesten Polonaisen der Musikgeschichte. Wer die Inszenierung von „Eugen Onegin“ in der verheißungsvollen Deutung der Schauspielikone Ralph Fiennes im Pariser Palais Garnier verpasst, ist im etwas weniger westlich gelegenen Aachener Theater gut aufgehoben, wo Verena Stoiber Puschkins Versepos kenntnisreich unter die Lupe nimmt.

Ganz anders Rossinis Opernposse „Die Reise nach Reims“: Hier kommt die illustre Festgesellschaft gar nicht erst ans Ziel. Auf dem Weg zur Krönung Karls X. strandet man im Kurort Plombières – und feiert stattdessen dort ein Bankett. Verkleidet wird sich musikalisch: Jede Nation steuert eine Hymne bei, von Haydn bis „God Save the King“. Handlungstiefe sucht man vergeblich, dafür entfaltet sich eine virtuose Persiflage auf den Hochadel, die am Theater der Hansestadt Bremen bestens aufgehoben ist.

Schließlich darf der größte Connaisseur des Feierns nicht fehlen: Don Giovanni. Dem Tanz wie dem Wein gleichermaßen zugetan, nutzt er den Ball im ersten Akt als Bühne hemmungsloser Verführung. Maskiert beobachten ihn Anna, Ottavio und Elvira bis Zerlinas Hilfeschrei das Spiel entlarvt. Im zweiten Akt wird aus dem Ball ein Gastmahl, zu dem Giovanni den toten Komtur lädt. Der erscheint, konfrontiert ihn mit seinen Sünden und reißt ihn in die Unterwelt. Die Deutung Christoph Dammanns am Pfalztheater Kaiserslautern steht stellvertretend für einen Don Giovanni, der bei aller moralischen Abrechnung eines nie verlernt: das Feiern.







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