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Porträt Heribert Beissel

Entspannt wie eine Schildkröte älter werden

Heribert Beissel ist Chefdirigent des erfolgreichsten Tourneeorchesters Deutschlands.

vonStefan Schickhaus,

„Nur Schildkröten und Dirigenten haben das Glück, so entspannt alt zu werden“, sagte Heribert Beissel kurz vor seinem 80. Geburtstag – der nun auch schon wieder einige Jahre her ist, der Dirigent steuert mittlerweile auf seinen 87. zu. Damit schreitet er ganz in den großen Fußstapfen von Günter Wand dahin, dessen Schüler Beissel einst war und der selbst bis ins höchste Alter am Pult stand. Und wie Wand hat Beissel den klassischen Werdegang hinter sich vom Kapellmeister über diverse Generaldirektoren-Stellen, manche nennen es eine „Ochsentour“. Es waren nie die ganz großen Häuser, an denen Heribert Beissel arbeitete, es waren die in Bonn, in Halle und Frankfurt/Oder. Immerhin, an der Staatsoper Hamburg dirigierte er, wenn John Neumeier dort seine Ballette choreografierte.

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Als sein „Lebenswerk und Lebenselixier“ betrachtet Heribert Beissel die 1986 gegründete Klassische Philharmonie Bonn, bei der einige noch den Beinamen „Telekom“ mitdenken, hat der Magenta-Riese doch zehn Jahre das Orchester mitfinanziert. Hier spielen talentierte Musikhochschulabsolventen zusammen, es ist also eine Art Orchesterakademie mit ständigem Personalwechsel – und es ist „das größte und erfolgreichste Tourneeorchester in Deutschland“, so sagt es der Dirigent. In elf deutschen Städten zwischen Stuttgart und Bremen treten die Bonner regelmäßig auf, mit Programmen, die sich sehr eng um das Dreigestirn HaydnMozartBeethoven drehen. Möglich sei, so Beissel, „aber auch alles, was einen Bezug zu den klassischen Formen hat – bis hin zu Regers ,Mozart-­Variationen‘ oder Strawinskys ,Pulcinella‘. Noch freier sind wir bei den Solokonzerten: Wenn ein Preisträger sagt, ich kann keinen Mozart, dann spielen wir eben Tschaikowsky oder Dvořák.“

Heribert Beissel: Grandseigneur der alten Schule

Als Grandseigneur der alten Schule wird Beissel gerne bezeichnet, aber auch wenn man ihn einen grundsoliden Kapellmeister nennt, kann das nicht abwertend gemeint sein. Dabei ist er sogar durchaus empfänglicher für die Impulse der historischen Aufführungspraxis als manch Jüngerer – „das ist eine gute Sache“. Was Verzierungen, Artikulation, Tempo und Dynamik angeht, setze er auf „die Erkenntnisse der Historiker.“ Nur auf das Vibrato möchte er nicht verzichten. Vielleicht: Noch nicht?

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