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Porträt Jakub Hrůša

Gemeinsame Wurzeln

Jakub Hrůša weiß als neuer Chef der Bamberger Symphoniker das prägende Klangbild des Orchesters wohl zu schätzen

vonMaximilian Theiss,

Der böhmische Klang: Jakub Hrůša hat in letzter Zeit sehr oft Fragen danach beantworten müssen. Es passt aber auch einfach zu gut zusammen: Hier die Bamberger Symphoniker mit eben diesem Klangbild, vom Orchester wie ein Gütesiegel vor sich hergetragen. Und dort der künftige Chefdirigent – geboren im mährischen Brünn und ausgebildet im böhmischen Prag. Zunächst wirkt Hrůša etwas skeptisch gegenüber dieser Bezeichnung – „wenngleich sie schon ihre Gültigkeit hat. Schließlich verweist sie auch auf die Entstehung des Orchesters, dessen Wurzeln in Prag liegen.“ Während der Nachkriegszeit hatten Musiker der einst dort ansässigen Deutschen Philharmonie in ihrer neuen fränkischen Heimat mit anderen Kriegsflüchtlingen die Symphoniker gegründet.

Wenn die gemeinsame Herkunft das Klangbild prägt

Rasch kommt der Dirigent auf die Tschechische Philharmonie in Prag zu sprechen, mit der er seit Jahren als Gastdirigent eng verbunden ist. Sie genießt international hohes Ansehen und hat aufgrund ihrer besonderen Struktur Seltenheitswert: Stammen die Musiker doch allesamt aus Tschechien und haben dadurch eine gemeinsame musikalische Prägung. Dass die Bamberger Symphoniker und die Tschechische Philharmonie ein ähnliches Klangbild haben, ist also kein Zufall.

Neben der Tschechischen Philharmonie dirigiert der Schüler Jiří Bělohláveks zahlreiche Orchester rund um den Globus, arbeitet als Gastdirigent zudem regelmäßig mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem Cleveland Orchestra, dem Philharmonia Orchestra London oder dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra zusammen. Doch bei aller internationalen Erfahrung und einem erstaunlich breiten Repertoire gilt sein besonderes Faible der tschechischen Musik. Neben der intensiven Beschäftigung mit deren berühmtesten Vertretern treibt ihn dabei besonders die Entdeckung unbekannter oder zeitgenössischer Komponisten seines Landes an – was die Zuhörer auch gleich bei seinem Einstand zu hören bekommen: Wartet das Programm doch neben Mahlers Erster mit der D-Dur-Sinfonie eines gewissen Jan Václav Voříšek auf, der in Wien lebte und dort Johann Nepomuk Hummel und Ludwig van Beethoven kennenlernte.

Hrůša liebt dramaturgische Experimente und Brüche

Ja, wenn es darum geht, Konzertprogramme zu entwerfen, entpuppt sich Hrůša als kreativer, bisweilen experimentierfreudiger Kopf – und auch damit wird er bei den Bambergern offene Türen einrennen. „Die Symphoniker und ich haben im Grunde nichts gegen das übliche Programm mit einer Konzertouvertüre am Beginn, auf die dann ein Solokonzert und eine Sinfonie folgen: Das ist ein tolles Konzept! Aber es ist eben nur eine Variante unter vielen.“ So kombiniert er gern Kompositionen, die erst auf den zweiten oder dritten Blick Gemeinsamkeiten aufweisen. „Es kann aber auch ausgesprochen inspirierend sein, ein Stück aufzubrechen, um ein anderes Werk dazwischenzuschieben“, meint der Sohn eines Architekten. „Ich liebe Überraschungen und Brüche von Konventionen, sofern sie subtil vonstattengehen. Einfach nur Dinge auf den Kopf zu stellen oder ständig radikale Wege zu beschreiten – das ist nicht in meinem Sinn.“

Konzert-Tuning gleich zum Amtsantritt

Zum Auftakt seines Antrittskonzerts wird daher Varèses „Tuning Up“ erklingen: In diesem Stück aus den 1940er Jahren hat der franko-amerikanische Komponist jene Klangflächen und Melodiefetzen karikiert, die entstehen, wenn die Musiker vor dem Konzert ihre Instrumente stimmen. Sicher nicht das, was Hrůša als „radikalen Weg“ bezeichnet, um Konventionen zu brechen. Aber zweifellos ein witziger Tusch zum Beginn einer neuen Ära in Bamberg. Eben subtil.

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