Der Ukrainer Thomas de Hartmann gehört zu den schillernden Künstlern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Oper „Esther“ über die Rettung des jüdischen Volkes vor willkürlichen Vernichtungsplänen entstand 1946 nach der Katastrophe des Holocaust. Im Schatten aktueller Kriege beteiligte sich sein Landsmann Kirill Karabits mit der ersten vollständigen Einspielung an dem „de Hartmann-Projekt“. Die Partitur oszilliert zwischen lockender Pracht des Fin de Siècle, expressiver Moderne und anachronistischer Affinität zur Grand Opéra des 19. Jahrhunderts: Chöre, Ballette, Gebete, Arien und Ensembles reihen sich mit epischer Breite und exotischem Reiz aneinander. Die Instrumentation zum französischsprachigen Textbuch nach der Tragödie von Jean Racine zeichnet sich durch schroffe Kontraste aus. Opulenz und folkloristische Seitenwege sowie hebräische Intonationen bedingen ein verführerisches wie düster-drückendes Agglomerat von Klängen. Damit befindet sich „Esther“ bei hoher kreativer Eigenständigkeit in Nähe zu George Enescus „Oedipe“ und Karol Szymanowskis „König Roger“. Corinne Winters überstrahlt in der Titelpartie der zweistündigen Oper das rundum gute und sich mit Enthusiasmus seinen Partien widmende Ensemble.
de Hartmann: Esther
Corinne Winters (Esther), Yuriy Yurchuk (Assuérus), Andrew Foster-Williams (Mardochée), Bernard Richter (Aman), Olga Bezsmertna (Élise), Edwin Crossley-Mercer (Hydaspe & Asaph), Paul Appleby (Chantre), The Grange Festival Chorus, Bournemouth Symphony Orchestra, Kirill Karabits (Leitung)
Pentatone




