Buchtipp: Hermann Hesse – Der Steppenwolf

Tür zur Traumwelt

Hermann Hesses „Der Steppenwolf“, der neunte Roman in unserer Literaturserie, erzählt die tragische Geschichte von Harry Haller.

Cover Hermann Hesse – Der Steppenwolf

Cover Hermann Hesse – Der Steppenwolf

Hermann Hesse war zeitlebens ein Liebhaber klassischer Musik. Als Kind lernte er Geige spielen und als Erwachsener war er mit vielen Musikern sowie Komponisten befreundet, schrieb Musikkritiken und hörte gerne Radio oder Schallplatten, wenn er auch einem Konzertbesuch stets den Vorzug gab. Dieser Liebe zur Musik hat er in vielen seiner Texte Ausdruck verliehen, auch in seinem Hauptwerk „Der Steppenwolf“.

Mensch und zugleich Steppenwolf

Der 1927 erschienene Roman erzählt die Geschichte von Harry Haller, einem einsamen Menschen, der ein asketisches, vergeistigtes Leben führt und innerlich zerrissen ist. Er fühlt sich als bürgerlicher Mensch zugleich als animalischer, von seinen Trieben geleiteter Steppenwolf. Als er auf die hübsche, umtriebige Hermine trifft, ändert sich sein Leben. Er geht tanzen, vergnügt sich und wird von Hermines Freund Pablo, einem Jazz-Saxofonisten, in ein magisches Theater geführt. Dort begibt er sich auf die Suche nach sich selbst. Gemeinsam mit Pablo und Hermine gleitet er in eine Fantasiewelt, die die bittere Realität am Ende dafür umso härter erscheinen lässt. Haller trifft unter anderem auf Mozart, der zu seinem Entsetzen an einem Radio dreht; für Hesse ein Medium, in dem die „Idee mit der Erscheinung“, das „Göttliche“ mit dem „Menschlichen“ ringt. Zwar verliert die Musik durch den Apparat ihre ursprüngliche Sinnlichkeit, doch ihr „Urgeist“ scheine gleichsam durch ihn hindurch.

Neben Mozart treten im „Steppenwolf“ noch andere Komponisten und Musiker auf, oder es wird über sie geredet, wie Bach, Brahms, Beethoven, Schubert, Chopin, Wagner und der Jazz-Saxofonist Pablo. Gleichzeitig weist das Buch autobiografische Züge auf, denn auch Hesse fühlte sich in seiner bürgerlichen Umgebung als intellektueller Außenseiter, der von den Erfahrungen des ersten Weltkrieges geprägt war. Im „Steppenwolf“ dient die Musik nicht nur dazu, den Menschen als Einzelwesen glücklicher zu machen – sie führt die Menschen auch zusammen. Sie dient als Mittel gegen Schmerz und Entfremdung und öffnet die Tür zu einer Traumwelt fernab einer spießbürgerlichen Gesellschaft mit ihren gleichmacherischen Normen und Werten.

Buch-Empfehlung

Der Steppenwolf
Hermann Hesse
Suhrkamp, 1974

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