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Konzert-Kritik: Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester in der Stuttgarter Liederhalle

Tanzmusikalische Weltreise

(Stuttgart, 8.2.2024) Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester begeistern in der Liederhalle mit Tanzmusik aus allen Kontinenten und Epochen.

vonFrank Armbruster,

Denkt man über die Frage nach, wozu Musik eigentlich dient, dann ist man ziemlich schnell beim Tanz. In vermutlich sämtlichen Kulturen der Welt tanz(t)en Menschen zu rhythmusbetonter Musik. Der Tanz hat also eine sehr lange Geschichte – im Gegensatz zum Konzert, bei dem Menschen zum Musikgenuss ruhig auf Stühlen sitzen. Wobei: Was heißt schon ruhig?

Beim Konzert in der Reihe Faszination Klassik im sehr gut besetzten Stuttgarter Beethovensaal nämlich war beim Umherblicken deutlich zu bemerken, wie Zuhörer ihrem Bewegungsdrang auf mehr oder weniger diskrete Weise Ausdruck verliehen. Der eine wippte mit den Füßen, ein anderer bewegte seine Schultern im Takt der Musik. Bei anderen war es nur die Mimik, die sich vom Gehörten anregen ließ, und das war bei diesem Konzert auch kein Wunder: „Dance!“ heißt das Programm, mit dem der Geiger Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester derzeit auf Tour sind. Und das bedeutet nichts weniger als eine tanzmusikalische Weltreise durch verschiedene Epochen und Länder. 

Von Gassenhauer bis Geheimtipp

Was die Auswahl der Werke anbelangt so legte Hope den Schwerpunkt auf bekanntere Stücke, darunter Gassenhauer wie Offenbachs Cancan, ergänzt durch kaum bekannte Werke wie den Fandango des Neapolitaners Nicolas Conforto: ein hinreißend schmissiges, kastagnettengrundiertes Stück, zu dem sich ein Barockgitarrist zum Orchester gesellte. 

Derart abwechslungsreich verging der Abend jedenfalls wie im Fluge. Der Applaus nach jedem der insgesamt siebzehn Stücke war groß, was sowohl an der blitzsauberen Ausführung durch das Zürcher Orchester lag wie an der charmanten Art, mit der Daniel Hope durch das Programm führte. Gerade eine Werkauswahl, die derart rasant durch Epochen und Kontinente fegt, liefe ohne einen roten Faden leicht Gefahr, in die kontextlose Seichtheit eines Potpourris abzugleiten. Nun ist Hope eigentlich kein Moderator, sondern ein international gefeierter Violinist, und das stellte er an diesem Abend mehrfach unter Beweis. Mal, in klassischer Manier, als Solist in Mozarts Rondo B-Dur KV 269, aber auch als hinreißend virtuoser Klezmergeiger in dem Salonhit „Odessa Bulgar“. 

Und als Daniel Hope dann in Tschaikowskis Pas de Deux aus dem Ballett „Schwanensee“ seine Guarneri, zuerst solo und dann im Duett mit dem Cellisten, derart betörend schluchzen ließ, machte der bis dahin ungebrochene Bewegungsdrang im Publikum sehnsüchtigem Schwelgen Platz.

CD-Tipp

Album Cover für Dance!

Dance!

Werke von Schostakowitsch, Saint-Saëns, Prokofjew, Tschaikowsky, Mozart, Schubert, Bizet, Purcell, Ravel, u. a. Daniel Hope (Violine & Leitung), Zürcher Kammerorchester Deutsche Grammophon

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