Wagner: Der Ring des Nibelungen – Götterdämmerung

(UA Bayreuth 1876)

In nächtlichem es-Moll spinnen die Nornen das Schicksalsseil. Ratlos, wie es weitergeht, zerren sie daran – es reißt. Bei Sonnenaufgang trennen sich Brünnhilde und Siegfried – den Helden drängt es zu neuen Taten. Als Zeichen seiner Treue schenkt er ihr seinen Ring. Auf seiner Rheinfahrt gelangt er zu den Gibichungen Gunther und dessen Schwester Gutrune. Hagen (ein Nibelung) macht Siegfried mit einem Vergessenstrunk gefügig, in Gunthers Gestalt (mittels Tarnhelm) Brünnhilde zu freien, dafür winkt ihm die Hand Gutrunes. Als Brünnhilde sich wehrt, entreißt ihr Gunther alias Siegfried den Ring. Auf der Doppelhochzeit erkennt Brünnhilde den Ring an Siegfrieds Hand. Sie verklagt ihn, ihr Mann zu sein. Hagen zwingt beide unter einen tödlichen Eid. Dann gibt er Siegfried bei einem Jagdausflug einen Erinnerungstrunk und fordert ihn auf, aus seinem Leben zu erzählen. Schwärmerisch schildert dieser, wie er das Feuer durchschritt und Brünnhilde weckte. Da stößt Hagen Siegfried seinen Speer in den Rücken. Der Trauerzug erreicht den Rhein. Brünnhilde, durch Siegfrieds Tod „wissend“, lässt einen Scheiterhaufen entzünden und weist Feuergott Loge den Weg nach Walhall, wo die Götter auf ihr Ende warten. Sie nimmt den verfluchten Ring an sich und sprengt auf ihrem Ross ins Feuer. Der Rhein tritt über das Ufer, und das Rheingold ist wieder, wo es zu Anfang war.

Wer Rheingold, Walküre und Siegfried versäumte, erhält in der Nornenszene, der Gibichungenszene, der Waltrautenszene (als ehemalige Walkürenkollegin sucht sie Brünnhilde auf, um ihr von Wotans Trauer um sie zu berichten und sie vor dem Ring zu warnen), in Hagens Traumszene (sein Vater Alberich erscheint ihm und mahnt ihn, den Ring zu erbeuten), in der (zweiten) Rheintöchterszene zu Beginn des dritten Aktes (sie versuchen, Siegfried den Ring abzuschmeicheln), und in Siegfrieds Lebenserzählung reichlich Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Das bedeutet: fünf Stunden Spieldauer.

Wagners genialer, unermüdlicher Fantasie gelingt es, immer neue Leitmotive zu erfinden und den schon überreifen alten Leitmotiven (insgesamt etwa 100!) weiter Saft abzupressen. Einen Höhepunkt erreicht Wagners Leitmotivtechnik, als Gunther und Hagen Siegfried freudig begrüßen und dazu im Orchester das „Fluchmotiv“ seine Faust emporreckt.

Der Klang der Götterdämmerung ist faulig bis vergiftet. Die hässlichen Töne der gestopften Hörner, die finster knisternden tiefen Klarinetten, eine abgründige Harmonik für Intrige, Hass, Neid, Meineid und Mord geben dem Werk hypnotische, fast unerträgliche Intensität. Lichtpunkte sind die beiden poetischen Sonnenaufgänge, Siegfrieds erfrischende Rheinfahrt, die pastorale, beinah schon impressionistische Rheintöchterszene und die Hochzeitsszene mit dem von Hagens Stierhorn herbeigerufenen lachenden Männerchor.

Der Ring der Nieblungen ist ein 16-stündiges Monstrum mit unendlich vielen hinreißenden Momenten. Es geht nicht um Weltuntergang, nur die Götter und die Nibelungen, die Antagonisten kultureller Frühzeit gehen unter, danach ist freies Menschentum denkbar. Die letzte, versöhnliche Phrase des Orchesternachspiels drückt mit dem „Hoffnungsmotiv“ aus, dass es zu wünschen ist.

(Mathias Husmann)

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