Das Klavier-Festival Ruhr ist mit seinen jährlich knapp sechzig Konzerten und einem über die Jahrzehnte gewachsenen Stamm an künstlerischen Gästen, die bei Liebhabern pianistischer Hochkultur für Entzückung sorgen, nicht nur das größte Festival seiner Art weltweit – und glaubt man Igor Levit „die beste Klavierparty überhaupt“ –, es ist stets auch ein Ort, an dem durchdachte, das Hörvergnügen des Publikums bereichernde Experimente einen festen Platz haben. Ein solches steht gleich zu Beginn des diesjährigen Konzertreigens, wenn sich Omer Meir Wellber, Jakob Reuven und Guy Mintus, begleitet vom WDR Sinfonieorchester, im Dortmunder Konzerthaus Beethovens Tripelkonzert annehmen. Innovation bei Beethoven? Die ist garantiert, denn zu Gehör kommt ein neues Arrangement für Jazzklavier, Mandoline und Akkordeon, das einerseits dem originalen Orchesterklang verpflichtet ist, andererseits den drei Solisten viel Raum für gemeinsames Improvisieren lässt. In welchem Verhältnis die drei Ausnahmekünstler am Ende klassische, jazzige und weltmusikalische Elemente abmischen, wird sich erst im Lauf des Abends herausstellen.
Diesen eröffnet zuvor Yulianna Avdeeva mit Béla Bartóks rhythmisch aufgeladenen, mitunter traditionelle Töne anschlagendem dritten Klavierkonzert. Zentrale Werke des ungarischen Komponisten bilden einen weiteren Schwerpunkt des Festivals. Mehr als siebzig internationale Künstler erfüllen das pulsierende Herz Nordrhein-Westfalens den Sommer lang mit hochklassiger, stilistisch vielfältiger und begeisternder Klaviermusik.






