Weilburger Schlosskonzerte 2017

Hier muss niemand seinen Autositz mitbringen

Die Schlosskonzerte haben sich ihre märchenhafte Atmosphäre bis heute bewahrt.

© Oliver Nauditt

Festspielsommer im Renaissancehof von Schloss Weilburg

Festspielsommer im Renaissancehof von Schloss Weilburg

Dreihundertvierunddreißig Stühle, das ist ja schon mal ein Anfang. Für so viele Sitzgelegenheiten reichte das Geld, das der damalige hessische Wirtschaftsminister bereitstellte für die Begründung eines neuen Festivals. Vier Konzerte im Renaissancehof des Weilburger Schlosses waren geplant, aus Kirchen und Schulen wurden weitere 400 Stühle zusammengesammelt. Doch auch das war 1972 nicht genug, als zum ersten Mal die „Weilburger Schlosskonzerte“ veranstaltet wurden. Eingelassen werden konnten bald nur noch Leute, die Sitzgelegenheiten mit dabei hatten – weshalb Weilburger Gastwirte an ihre Essensgäste Stühle ausliehen. Angeblich baten sogar Musikfreunde mit Verweis auf ihren Autositz um Einlass, kurzerhand aus dem Fahrzeug ausgebaut.

Nach 45 Jahren ist das Sitzplatzangebot längst professionalisiert, bis zu 1.500 Besucher dürfen mit einem ordentlichen Stuhl rechnen im Renaissancehof. Die Atmosphäre dort wurde aber schon im ersten Konzertjahr als „märchenhaft“ beschrieben mit einer Akustik so „einmalig, wie sie wenige geschlossene Säle aufweisen können“. Für den Europäischen Festspielkalender sei der 30. Juni 1973 ein wichtiges Datum gewesen. Wobei Weilburg im Verlauf der 45-jährigen Festivalgeschichte immer auf dem Boden blieb. Die Schlosskonzerte sind vielmehr in Richtung Intimität gewachsen: Mit der Alten Hofstube sowie zwei Orangerien werden feine Orte für Kammermusik und die Sinfonie des Barock bespielt.

So sind es in der Regel auch nicht die großen philharmonischen Klangapparate, die hier das Sommerprogramm bestimmen, sondern Orchester wie die Bayerische Kammerphilharmonie, die unter Reinhard Goebel und mit Mirijam Contzen als Solistin auftreten wird, oder die Polnische Kammerphilharmonie, die sowohl die Trompeter Reinhold Friedrich und Simon Höfele als auch den Pianisten Alexander Krichel begleiten wird. Natürlich ist auch das Württembergische Kammerorchester Heilbronn ein fester Bestandteil des Festivals. Mit ihm beendet Alina Pogostkina ihren Weilburger Mozart-Violinkonzerte-Zyklus. Neu in diesem Jahr: Ein nach- mittäglicher Tanz-Tee, mit Kaffee, Kuchen und Tanzmusik in der Unteren Orangerie, die übrigens jener von Schloss Versailles nachgestaltet ist – ein stilvoller Schwoof also, passend zu Schlossfestspielen mit Stil.

Die Festivaldaten im Überblick:

Weilburger Schlosskonzerte
Zeitraum: 3.6.–5.8.2017
Künstler: Julian Steckel, Alexander Krichel, Frank Dupree, Julia Fischer, Mirijam Contzen, David Orlowsky u. a.
Ort: Weilburg

Weilburger Schlosskonzerte

Weilburger Schlosskonzerte

31. Mai bis 03. August 2019

Seit 2010 gestaltet Stephan Schreckenberger als Intendant der Weilburger Schlosskonzerte die jeweils zehn Wochen umfassende Saison, in der internationale Größen gastieren. Die Weilburger Schlosskonzerte sind Preisträger des concerti-Preises „Publikum des Jahres 2018“. weiter

Termine

Sonntag, 27.10.2019 11:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin

Concerto Melante, Raimar Orlovsky, Reinhard Goebel

Muffat: Sonate Nr. 2 g-Moll, Biber: Sonate Nr. 6 a-Moll, Geminiani: Concerto grosso d-Moll „La Follia“, Veracini: Ouvertüre Nr. 1 B-Dur, Telemann: Konzert für vier Violinen und Streicher A-Dur TWV 54:A1, J. S. Bach: Konzert für zwei Violinen und Streicher d-Moll BWV 1043

Mittwoch, 18.12.2019 20:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin

Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, Reinhard Goebel

Vivaldi: Konzert für zwei Oboen, zwei Klarinetten und Streicher C-Dur RV 559, Konzert für zwei Violoncelli und Streicher g-Moll RV 531, Konzert für drei Violinen und Streicher F-Dur RV 551, Konzert für vier Violinen und zwei Violen B-Dur RV 553, Konzert für zwei Oboen, zwei Klarinetten und Streicher C-Dur RV 560 & Die vier Jahreszeiten

Samstag, 25.01.2020 19:30 Uhr Kaiserpfalz Goslar
Sonntag, 26.01.2020 19:00 Uhr Theater für Niedersachsen
Donnerstag, 09.04.2020 21:00 Uhr Kölner Philharmonie

Benjamin Appl, Franziska Gottwald, Marcel Beekman, Echo di Rheno, Reinhard Goebel

Heinichen: Drei Lamentationes Jeremiae in coena Domini, Vivaldi: Sinfonie h-Moll RV 169 „al Santo Sepolcro“, Sonate Es-Dur RV 130 „al Santo Sepolcro“ & Konzert d-Moll RV 129 „Concerto Madrigalesco“

Donnerstag, 07.05.2020 19:30 Uhr Philharmonie Essen

Mirijam Contzen, Essener Philharmoniker, Reinhard Goebel

Eberl: Sinfonie Es-Dur op. 33, Clement: Violinkonzert Nr. 1 D-Dur, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Freitag, 08.05.2020 19:30 Uhr Philharmonie Essen

Mirijam Contzen, Essener Philharmoniker, Reinhard Goebel

Eberl: Sinfonie Es-Dur op. 33, Clement: Violinkonzert Nr. 1 D-Dur, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Sonntag, 10.05.2020 11:00 Uhr Philharmonie Essen

Götz Alsmann, Essener Philharmoniker, Reinhard Goebel

Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 55 „Eroica“ (Auszüge)

Dienstag, 19.05.2020 20:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin

Benjamin Appl, Christoph Hartmann, Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel

C. P. E. Bach: Kantate „Ich bin vergnügt mit meinem Stande“, Monsieur Bach de Berlin: Sinfonia F-Dur, J. C. F. Bach: Kantate „Pygmalion“, W. F. Bach: Sinfonia B-Dur Fk 71, J. S. Bach: Kantate „Ich habe genug“ BWV 82

Donnerstag, 11.06.2020 20:00 Uhr Residenz Würzburg

Yaara Tal & Andreas Groethuysen, Bamberger Symphoniker, Reinhard Goebel

Mozart: Ouvertüre & Marsch aus „La clemenza di Tito“ KV 621, Czerny: Konzert für Klavier zu vier Händen und Orchester C-Dur op. 153, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Auch interessant

Interview Reinhard Goebel

„Wer will sich schon beißen lassen?“

Seit Jahren hat sich Reinhard Goebel mit Carl Philipp Emanuel Bachs Musik befasst. Doch bei aller Begeisterung: Für die Zeit nach dem Jubiläum ist er skeptisch weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *