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Weilburger Schlosskonzerte 2017

Hier muss niemand seinen Autositz mitbringen

Die Schlosskonzerte haben sich ihre märchenhafte Atmosphäre bis heute bewahrt.

vonStefan Schickhaus,

Dreihundertvierunddreißig Stühle, das ist ja schon mal ein Anfang. Für so viele Sitzgelegenheiten reichte das Geld, das der damalige hessische Wirtschaftsminister bereitstellte für die Begründung eines neuen Festivals. Vier Konzerte im Renaissancehof des Weilburger Schlosses waren geplant, aus Kirchen und Schulen wurden weitere 400 Stühle zusammengesammelt. Doch auch das war 1972 nicht genug, als zum ersten Mal die „Weilburger Schlosskonzerte“ veranstaltet wurden. Eingelassen werden konnten bald nur noch Leute, die Sitzgelegenheiten mit dabei hatten – weshalb Weilburger Gastwirte an ihre Essensgäste Stühle ausliehen. Angeblich baten sogar Musikfreunde mit Verweis auf ihren Autositz um Einlass, kurzerhand aus dem Fahrzeug ausgebaut.

Nach 45 Jahren ist das Sitzplatzangebot längst professionalisiert, bis zu 1.500 Besucher dürfen mit einem ordentlichen Stuhl rechnen im Renaissancehof. Die Atmosphäre dort wurde aber schon im ersten Konzertjahr als „märchenhaft“ beschrieben mit einer Akustik so „einmalig, wie sie wenige geschlossene Säle aufweisen können“. Für den Europäischen Festspielkalender sei der 30. Juni 1973 ein wichtiges Datum gewesen. Wobei Weilburg im Verlauf der 45-jährigen Festivalgeschichte immer auf dem Boden blieb. Die Schlosskonzerte sind vielmehr in Richtung Intimität gewachsen: Mit der Alten Hofstube sowie zwei Orangerien werden feine Orte für Kammermusik und die Sinfonie des Barock bespielt.

So sind es in der Regel auch nicht die großen philharmonischen Klangapparate, die hier das Sommerprogramm bestimmen, sondern Orchester wie die Bayerische Kammerphilharmonie, die unter Reinhard Goebel und mit Mirijam Contzen als Solistin auftreten wird, oder die Polnische Kammerphilharmonie, die sowohl die Trompeter Reinhold Friedrich und Simon Höfele als auch den Pianisten Alexander Krichel begleiten wird. Natürlich ist auch das Württembergische Kammerorchester Heilbronn ein fester Bestandteil des Festivals. Mit ihm beendet Alina Pogostkina ihren Weilburger Mozart-Violinkonzerte-Zyklus. Neu in diesem Jahr: Ein nach- mittäglicher Tanz-Tee, mit Kaffee, Kuchen und Tanzmusik in der Unteren Orangerie, die übrigens jener von Schloss Versailles nachgestaltet ist – ein stilvoller Schwoof also, passend zu Schlossfestspielen mit Stil.

Die Festivaldaten im Überblick:

Weilburger Schlosskonzerte
Zeitraum: 3.6.–5.8.2017
Künstler: Julian Steckel, Alexander Krichel, Frank Dupree, Julia Fischer, Mirijam Contzen, David Orlowsky u. a.
Ort: Weilburg

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