Zum Tod von Mariss Jansons

Erst Oslo, dann die Welt

Der lettische Stardirigent Mariss Jansons ist tot. Er verstarb vergangene Nacht mit 76 Jahren nach langer Krankheit in Sankt Petersburg.

© Matthias Schrader/BR

Mariss Jansons

Mariss Jansons

Sein Perfektionismus und seine Liebe zur Oper waren weithin bekannt. Genau wie seine unvergleichbaren Interpretationen der Werke Gustav Mahlers und Dmitri Schostakowitschs. Letzte Nacht hat die Musikwelt einen der erfolgreichsten und fähigsten Dirigenten verloren. Mariss Jansons, der 1943 in Riga als Sohn eines Dirigenten und einer Mezzosopranistin geboren wurde, studierte zunächst am Konservatorium in Leningrad bevor er nach Österreich ging und seine Studien bei Herbert von Karajan und Hans Swarowsky fortsetzte.

Die erste große Anstellung bekam er 1979 als Leiter der Osloer Philharmoniker und behielt die Stelle bis zum Jahr 2000 inne. Danach arbeitete er als Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw-Orchester. Bis zu seinem Tod leitete er als Chefdirigent den Chor und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. 

Wegen seiner ausgiebigen Tätigkeit als Konzertdirigent widmete er sich erst spät dem Musiktheater, liebte es dafür aber umso inniger. 2006 dirigierte er seine erste Opernproduktion: selbstverständlich „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch.

Mariss Jansons: Tod im Kreise der Familie

Bereits 1996 erlitt er während eines Konzerts in Oslo einen Herzinfarkt und trat nicht mehr so regelmäßig auf, wie vorher. Letzte Nacht versagte sein Herz. Mariss Jansons verstarb in Sankt Petersburg im Kreise seiner Familie.

„Was Sie nicht lernen können, was Sie haben müssen, das ist die Fähigkeit, ein Orchester mitzureißen. Sie brauchen eine innere Energie, eine Elektrizität, die Sie dem Orchester vermitteln, die kommt stärker zurück vom Orches­ter, und so entwickelt sich das große Feuer.“ – Vor fast genau fünf Jahren sprach Mariss Jansons mit uns über dirigentische Talente, intelligente Orchester und neue Konzertsäle.

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