Startseite » Porträts » Aus dem Klanglabor

Porträt Lautten Compagney

Aus dem Klanglabor

Angefangen hat alles 1984 in einem Duo – seither hat
 die Neugier auf Entdeckungen die Lautten Compagney stetig wachsen lassen

vonEcki Ramón Weber,

Vergangen die Zeiten, als Alte Musik nur eine abgezirkelte Veranstaltung für ausgewählte Hörerkreise war: Heute erreichen diese Künstler breite Publikumsschichten. Nicht zuletzt dank der Berliner Lautten Compagney: Hat sich das Ensemble doch mit zahlreichen Ausgrabungen und Wiederentdeckungen einen Namen gemacht – sei es nun mit der Tanztheaterproduktion Amore doppio auf Musik von Giovanni Battista Bononcini oder auch dem Aufführungsmarathon von vier Passionen Carl Philip Emmanuel Bachs an einem einzigen Tag.

Markenzeichen der Formation sind seine überraschenden Formate, gerne auch über die Genregrenzen hinweg: So geht es mit dem Sheng-Virtuosen Wu Wei und der Schauspielerin Eva Mattes auf die Spuren Marco Polos, entstand mit Mailänder Marionettenspielern eine zauberhafte Puppentheaterproduktion von Händels Kreuzritter-Oper Rinaldo, wurde mit Tänzern der Compagnie von Sasha Waltz bei Il Pianto d’Orfeo der Bereich des modernen Tanzes beschritten – und der jüngste Streich Sommernachtstraum! mit Dominique Horwitz kommt nun als Shakespeare-Revue daher.

Solch erfrischende Ansätze sprechen selbst ein Publikum an, das bislang nichts mit Alter Musik am Hut hatte. Was Wolfgang Katschner immer wieder irritiert: „Ich finde es sehr schade, dass es im Musikleben teils immer noch merkwürdige Schwellen gibt“, sagt der Leiter und Mitbegründer der Lautten Compagney.

Eine Staatsanwältin auf der Spur von Don Quijote

Eben diese Grenzen zwischen den unterschiedlichen Zirkeln zu öffnen, ist eines seiner Anliegen. Premiere haben die Programme in der Regel jährlich beim Festival Aequinox im brandenburgischen Neuruppin, dessen Hauptakteure das Ensemble selbst stellt: „Aequinox mit dieser konzentrierten und für Neues offenen Festival-Atmosphäre ist für uns wie ein Klanglabor“, schwärmt Katschner. So gab es im März 2016 etwa ein Hörstück über Don Quijote mit spanischer Musik – und als Sprecherin war Mechthild Großmann zu erleben, die Staatsanwältin aus dem Münster-Tatort.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte des Ensembles 1984 als Lauten-Duo: Waren Katschner und sein Kollege Hans-Werner Apel doch schon während des Gitarrenstudiums an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ auf die Laute umgestiegen und hatten dabei den enormen Reichtum des Repertoires entdeckt, denn seit der Renaissance besaß die Laute den gleichen universellen Stellenwert wie später das Klavier. „Für uns war es vor allem die Möglichkeit, aus diesem Gitarren-Ghetto auszubrechen“, erinnert sich der Saiten-Mann. „Mit der Laute gab es viel mehr Chancen, mit anderen Instrumenten zusammenzuspielen, vor allem durch das Continuo-Spiel.“ Als die beiden dann Mitte der 90er Jahre die ersten Musiktheaterprojekte in Angriff nahmen, wuchs das Ensemble an – heute besteht die Lautten Compagney aus einer kompakten Besetzung von 15 Spielern, die sich für Operneinstudierungen auf bis zu zwei Dutzend Musiker ausdehnt.

In der Oberliga der Alte-Musik-Ensembles zeigt die Lautten Compagney eine unvergleichliche klangliche Signatur, vor allem durch ihr farbiges, lebhaftes Basso-Continuo-Fundament, dem die Ursprünge als Lauten-Duo anzumerken sind: „Lauten, Gitarre, Harfe und Orgel werden bei uns sehr differenziert in Klangmischungen eingesetzt. Wir sind deshalb nicht so oberstimmenbetont wie andere Ensembles“, erklärt Katschner. Dieser direkt ansprechende, energiegeladene Klangreichtum vermittelt sich auch auf zahlreichen Einspielungen – und ist zweifellos einer der Gründe für den langjährigen internationalen Erfolg der Lautten Compagney.

Termine

Auch interessant

Rezensionen

Anzeige

Video der Woche

Zwei Geigen, ein Cello, ein Klavier – und ein Übermaß an kreativer Energie

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Mit ihrem neuen Programm „heimat“ feiern Salut Salon das Finale einer Konzert-Trilogie: Auf „Liebe“ und „Träume“ folgt das nächste große, fast allumfassende Thema. Denn: Was genau ist das eigentlich, Heimat? Ist es ein Ort? Tradition? Ein Gefühl? Sind es die Menschen, die einen umgeben? Oder vielleicht Worte, Sprachen, Klänge? Mit der traumwandlerischen Selbstverständlichkeit, mit der die vier Musikerinnen Stücke aus allen Winkeln der Welt in diesen wunderbaren Konzert-Abend verwandeln, geben sie auch gleich ihre ganz eigene Antwort: Salut Salon sind in der Welt zu Hause – und ihre Heimat ist die Musik.

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!