Das Moritzburg Festival im Porträt

Kein Haselnuss-Event – aber Interpreten mit Biss

Das Moritzburg Festival verzaubert mit Kammermusik im Märchenschloss, das seit 25 Jahren Dreh- und Angelpunkt des Kammermusikfestivals ist, das von Cellist Jan Vogler, dessen geigendem Bruder Kai sowie von Cellokollege Peter Bruns gegründet wurde

Schloss Moritzburg © Oliver Killig

Schloss Moritzburg

Eingefleischte „Aschenbrödel“-Fans pilgern alljährlich zu großen Haselnuss-Events, die Lößnitzgrundbahn fährt die kleine Stadt täglich mit Dampfloks an, und als Fotomotiv für die Schönheit der sächsischen Teich- und Schlosslandschaft eignet es sich allemal: Moritzburg im Norden von Dresden. Das wunderherrliche Jagdschloss, das seine Gestalt von August dem Starken bekam, ist eine beliebte Sehenswürdigkeit auf der Liste jener Touristen, die über die Dresdner Stadtmauern hinauskommen.

Seit 25 Jahren ist es auch Dreh- und Angelpunkt des Moritzburger Kammermusikfestivals. Gegründet vom Cellisten Jan Vogler, dessen geigendem Bruder Kai sowie von Cellokollege Peter Bruns, entwickelte sich das Festival mithilfe der engmaschigen Vernetzung des Intendanten zu einem rasch internationale Musiker anziehenden Treffpunkt – pünktlich zum musikalischen Altweibersommer, der zeitlich günstig nach dem Auslauf der großen anderen Festivals, aber vor dem Beginn der Hauptsaison in den prominenten Konzertsälen liegt.

Moritzburg Festival

Moritzburg Festival © Rene Gaens

Moritzburg Festival: Hochkarätig besetzt, aber alles andere als elitär

Angepasst an die Umtriebigkeit des guten PR-Mannes und anerkannten Cellisten Jan Vogler liest sich die Liste der Dagewesenen nur quantitativ noch prominenter als die der Ankommenden – 2018 geht das von Avi Avital über Nils Mönkemeyer und Olli Mustonen bis zu den Voglers selbst. Damit hat das Publikum auf relativ kleiner Fläche Gelegenheit, dem Treffen musikalischer Freunde bei ihren nahezu familiären Sessions beizuwohnen. So schafft es das Moritzburg Festival immer wieder, hochkarätig besetzt und trotzdem alles andere als elitär zu erscheinen. Und wo Meister musizieren, ist auch eine Nachwuchsakademie nicht weit. Sie sorgt dafür, dass jungen Talenten in begehrten Unterrichtsstunden die Gelegenheit geboten wird, sich vor Publikum auszuprobieren.

Eigentlich ist Moritzburg dafür zu klein – so mäandriert das Festival auch in die Umgebung, lädt zu feinen Diners in benachbarte Schlösser und in die Gläserne Manufaktur des Sponsors Volkswagen. Die intime Nähe zum Publikum macht dabei in Verbindung mit dem sächsischen Sommer Jan Voglers liebstes Kind zu einem alle Sinne lockenden Ort.

Ein kurzer Einblick in das Moritzburg Festival:

concerti-Tipp:

Moritzburg Festival
Zeitraum: 11.-26.8.2018
Mit: Moritzburg Festival Orchester, Josep Caballé Domenech, Olli Mustonen, Avi Avital, Ran Jia, Jan Vogler u. a.
Orte: Moritzburg & Dresden

Termine

Donnerstag, 29.11.2018 20:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin

Benefizkonzert der Stiftung Gute Tat

Filippo Mineccia (Countertenor), Niklas Liepe (Violine), Nils Mönkemeyer (Viola), Jan Vogler (Violoncello), Avi Avital (Mandoline), George Harliono & William Youn (Klavier), Staats- und Domchor Berlin Chor, Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau, Johannes Moesus (Leitung)

Mittwoch, 13.03.2019 20:00 Uhr Kulturpalast Dresden

Carte blanche

Dresdner Musikfestspiele
Sonntag, 07.04.2019 11:00 Uhr Prinzregententheater München

Jan Vogler, Münchener Kammerorchester, Daniel Giglberger

Haydn: Ouvertüre zur Oper „Armida” in B-Dur & Sinfonie Nr. 43 Es-Dur „Merkur“, C. P. E. Bach: Cellokonzert A-Dur Wq172 & Cellokonzert a-Moll Wq170
Sonntag, 07.04.2019 11:00 Uhr Prinzregententheater München

Jan Vogler, Münchener Kammerorchester, Daniel Giglberger

Haydn: Ouvertüre zu „Armida“ & Sinfonie Nr. 43 Es-Dur „Merkur“, C. P. E. Bach: Cellokonzerte a-Moll Wq 170 & A-Dur Wq 172
Dienstag, 16.04.2019 19:30 Uhr Theater Münster Münster

Jan Vogler, Sinfonieorchester Münster, Golo Berg

Bizet: Sinfonie Nr. 1 C-Dur, Saint-Saëns: Cellokonzert Nr. 1 a-Moll op. 33, Ravel:Alborada del gracioso aus Miroirs, Debussy:La Mer

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