Musikalische Spurensuche: Hamburg

Wo Musik- und Architekturgeschichte aufeinandertreffen

Komponistenquartier, Elbphilharmonie und Co: Hamburgs musikalisches Erbe erkundet man am besten auf dem Fahrrad.

© Ulrich Perrey

KomponistenQuartier Hamburg

KomponistenQuartier Hamburg

Dass Hamburg bei Radtouristen nicht unbedingt auf Platz eins der Beliebtheitsskala steht, liegt auf der Hand, ist der innenstädtische Verkehr doch insbesondere zu den Stoßzeiten unübersichtlich und laut. Dennoch lohnt es sich, gerade in den Sommermonaten für eine kleine Innenstadttour aufs Fahrrad zu steigen, wird einem doch architektonisch und städtebaulich viel Interessantes geboten, was aus dem Auto oder der S-Bahn heraus betrachtet meist nur unerkannt vorbeizieht. So kommt auch der Klassik-Liebhaber auf seine Kosten, der alleine anhand der Elbphilharmonie, der Staatsoper und der Laeiszhalle als zentrale Stätten der Hamburger Musiklandschaft den architektonischen Wandel von Konzerthäusern in der Hansestadt nachvollziehen kann.

Unsere musikalische Entdeckungsreise startet direkt an der Elbphilharmonie, zu erreichen über die U-Bahn-Haltestation Baumwall unweit der Landungsbrücken. Von hier aus lässt es sich mit dem Fahrrad über die Niederbaumbrücke am Binnenhafen und schließlich über die Brücke Am Kaiserkai in weniger als zwei Minuten zur Elbphilharmonie radeln. Von dort aus geht es über den Rödingsmarkt und die Stadthausbrücke auf die Kaiser-Wilhelm-Straße und von dort bis zum Johannes-Brahms-Platz. Auf der rechten Seite des erst zu Brahms’ 100. Todestag im Jahr 1997 nach ihm benannten Platzes befindet sich die 1908 eröffnete Laeiszhalle im neobarocken Stil, direkt gegenüber das Brahms-Kontor, einst das höchste Profanbauwerk der Hansestadt.

Doch zu entdecken gibt es weit mehr: Von der Laeiszhalle nur einen Steinwurf entfernt befindet sich mitten in der Hamburger Neustadt westlich des Alsterlaufes das Hamburger Komponistenquartier. Mit dem Fahrrad geht es dazu links neben dem Brahmskontor in die Straße Pilatuspool immer geradeaus über Hütten und die Neanderstraße bis zur Peterstraße.

Eine perfekte Rekonstruktion

© Aloys Kiefer

Das Brahms Museum im Hamburger Komponistenquartier

Das Brahms Museum im Hamburger Komponistenquartier

Was hier zunächst wie ein städtebauliches Relikt anmutet, scheinbar verschont vom Hamburger Feuersturm von 1943, ist in Wirklichkeit die perfekte historische Rekonstruktion eines Bürgerhäuserensembles rund um ein Kaufmannshaus von 1751, welches nicht den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel. Hinter diesen Mauern befinden sich Museen über Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Adolf Hasse, Johannes Brahms, Fanny und Felix Mendelssohn sowie Gustav Mahler. Im Mittelpunkt der Ausstellungen stehen folglich ausschließlich Komponisten, die mit Hamburg in direkter Verbindung standen und bis heute im hiesigen Kulturleben präsent sind. Schon von außen betrachtet gelingt die Zeitreise in das musikalische Hamburg vergangener Tage.

Im Inneren sind die Besucher des Komponistenquartiers eingeladen, sich auf eine Reise zu begeben, die sie vom Barock bis in die Romantik führt, angefangen mit dem Telemann-Museum, welches direkt an den Ausstellungsraum des Carl Philipp Emanuel Bach-Museums angeschlossen ist und anschließend ins angrenzende Johann Adolf Hasse Museum weiterführt. Nach einem nur kurzen Gebäudewechsel kann man die Entdeckungstour mit einem Besuch im Johannes Brahms Museum weiterführen und mit den zwei weiteren Museumsteilen über die Mendelssohn-Geschwister und über Gustav Mahler abschließen.

Im Zentrum der Ausstellungen stehen das Leben und Werk der Komponisten. Aufbereitet in Texten, Bildern und Anschauungsobjekten, mitsamt modernem Medieneinsatz, lassen sich Lebensumstände, Arbeitsbedingungen sowie die musikhistorische Bedeutung der Hamburger Komponisten nachvollziehen, auf deren Erbe das reiche Musikleben der Elbmetropole bis heute gründet.

Doch nicht nur Musikalisches gibt es zu entdecken. So erfährt der Besucher beispielsweise auch ganz Persönliches über die Komponisten – von der Blumen- und Garten-Liebe Telemanns bis hin zur Verwandtschaft von Johannes Brahms mit Theodor Storm und Matthias Claudius.

Geschichte zum Greifen nah

Zu den Archivalien des Komponistenquartiers Hamburgs gehören ein historisches Spinett des Instrumentenbauers Thomas Hitchcock aus dem Jahr 1730 sowie jenes Tafelklavier, an dem Johannes Brahms unterrichtete. Als besonderes Highlight vermittelt ein einzig für das Komponistenquartier angefertigtes Modell einer barocken Opernbühne mithilfe einfacher Mechanik einen Eindruck davon, was den Zuschauern einer Opernaufführung im 18. Jahrhundert geboten wurde.

Snack zum Abschluss der Tour

Direkt anschließend an das Komponistenquartier befindet sich Kleinhuis’ Café & Weinstube, das zum Tour-Abschluss mit Kaffee, Tee, Snacks, Kuchen und erlesenen Weinen zum Einkehren einlädt.

Hier finden Sie das Komponistenquartier Hamburg:

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