Werk der Woche – Schumann: Sinfonie Nr. 1

Leichtigkeit und Lebensfreude

Auf der Höhe seines Lebens schrieb Robert Schumann in nur wenigen Wochen des Jahres 1841 seine „Frühlingssinfonie“

© Wikimedia Commons

Robert Schumann

„Robert und Clara Schumann waren frisch verheiratet, und so ist die „Frühlingssinfonie“ ein jauchzendes Ja zum Leben. Aus dem Trompetenruf geht ein tanzender erster Satz hervor, der mit einem Frühlingshymnus endet“, heißt es in der Werkeinführung von Mathias Husmann zu Robert Schumanns erster Sinfonie. Der Komponist selbst sagte über sein Werk: „Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt. Schildern, malen wollte ich nicht; dass aber eben die Zeit, in der die Sinfonie entstand, auf ihre Gestaltung, und dass sie grade so geworden, wie sie ist, eingewirkt hat, glaube ich wohl.“

Ende einer kaum begonnenen Karriere als Klaviervirtuose

Die Fertigstellung und vor allem der außerordentliche Erfolg der Uraufführung seiner 1. Sinfonie (Felix Mendelssohn dirigierte sie) war für Schumann und seine Frau Clara die späte Bestätigung, dass sich all die vorausgegangene Mühsal gelohnt hat: Zehn Jahre zuvor musste sich Schumann eingestehen, dass sein betäubter Finger sowie „unendlichste Schmerzen im Arm“ das Ende für seine noch gar nicht richtig begonnene Pianistenkarriere bedeuteten. Nach dieser Erkenntnis brachte er sich das Kompositionshandwerk bei und gründete außerdem die „Neue Zeitschrift für Musik“. Auch in Liebesdingen mussten er und seine geliebte Clara Wieck die erbitterten Widerstände des Vaters ertragen, bis sie schließlich 1839 ihr Eheglück fanden.

„Im Tha-le blü-het Früh-ling auf!“

Als Schumann wenige Jahre später die Schlusszeilen eines Gedichts des Lord Byron-Übersetzers und Zeitgenossen Adolf Böttgers (1816-1870) las, war der entscheidende Impuls für die Sinfonie da: „O wende, wende Deinen Lauf – / Im Thale blüht der Frühling auf!“ Innerhalb weniger Wochen komponierte er sie zu Beginn des Jahres 1841. Textlos schmettern die Hörner und Trompeten gleich zu Beginn des ersten Satzes: „Im Tha-le blü-het Früh-ling auf!“. Dieser markante Rhythmus zieht sich als Keimzelle durch den weiteren Satzverlauf. Die ursprünglichen Satzüberschriften (Frühlingsbeginn, Abend, Frohe Gespielen und Voller Frühling) strich Schumann noch vor der Veröffentlichung seiner Sinfonie, deren Leichtigkeit und Lebensfreude auch ohne diese Hinweise ihre Hörer vereinnahmen.

Die wichtigsten Fakten zu Robert Schumanns Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 „Frühlingssinfonie“:

Satzbezeichnungen

1. Satz: Andante un poco maestoso – Allegro molto vivace
2. Satz: Larghetto – attacca
3. Satz: Scherzo (Molto vivace)
4. Satz: Allegro animato e grazioso

Orchesterbesetzung

Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Triangel, Streicher

Spieldauer

ca. 35 Minuten

Die Uraufführung am 31. März 1841 dirigierte Felix Mendelssohn, es spielte das Gewandhausorchester Leipzig

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Referenzeinspielung

Schumann: Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 „Frühlingssinfonie“
Orchestre Révolutionnaire et Romantique
Sir John Eliot Gardiner (Leitung)
Archiv

Berühmt für seine bahnbrechenden Schumann-Interpretationen ist Sir John Eliot Gardiner. Auch zwanzig Jahre nach seiner legendären Einspielung mit seinem Orchestre Révolutionnaire et Romantique ist diese Aufnahme bis heute Maßstab setzend. Seine Einspielung der „Frühlingssinfonie“ klingt frisch und elegant, dynamisch und fesselnd. Nicht nur der Klang der originalen Instrumente bringt den Hörer näher als je zuvor an Schumann heran, sondern vor allem die überaus schlanke und ballastbefreite Interpretation von Gardiner. Hier wird Schumann zum spannenden Hörerlebnis!

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