Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-dur op. 68 „Pastorale“

(UA Wien 1808)

Nicht erst der Beethoven-Dirigent Wilhelm Furtwängler koppelte die Fünfte und die Sechste zu einem Programm, schon bei der Uraufführung erklangen beide Symphonien zusammen – sie sind wohl auch gleichzeitig entstanden. Wie konnte ein Komponist die hochgespannte, von heftigen inneren Stimmen gequälte „Schicksalssymphonie“ und die völlig entspannte, den reinen Stimmen der Natur folgende „Pastoralsymphonie“ gleichzeitig gestalten? Die Antwort ist einfach: Beethoven hat sich durch abwechselndes Arbeiten an beiden Werken erfrischt. Beide Symphonien stehen auf gleichem formalen Niveau, beide sind – unbeschadet ihres geistig-seelischen Gehaltes bzw. ihrer programmatischen Titel absolute Musik, in welcher keine Note einer außermusikalischen Rechtfertigung bedarf.

„Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“ ist ein vollendeter Sonatensatz – vom lächelnden Anfangsthema über die Kutschfahrt der Durchführung bis zur Dorfmusik (Klarinette) der Coda.

„Szene am Bach“ ist ebenfalls ein Sonatensatz mit konzertanten Elementen wie etwa das flinke Eichhörnchen (Klarinette) – das Vogelkonzert am Ende ist formal die Kadenz. Bei diesem Satz wird jeder Städter zum Naturfreund!

„Lustiges Zusammensein der Landleute“ – Scherzo mit zweimaligem Trio,
„Gewitter und Sturm“ – Intermezzo mit pfeifender Piccoloflöte, bedrohlichen Posaunen und grollender Pauke, sowie „Hirtengesang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm – Finale einschließlich Regenbogen und Abendrot, gehen pausenlos ineinander über. Wie bei der Fünften liegt das Gewicht auf den letzten Sätzen.

Der Bauerntanz mit den „falsch“ einsetzenden Bläsern, das deftige „holländische“ Trio mit dem fragenden Blick zum Himmel (weil sich dort etwas zusammenbraut), das hastige noch-beenden-Wollen des Tanzes vor dem Gewitter, die plötzlich „geladene“ Atmosphäre, die rasenden Hände der Cellisten und Kontrabassisten beim Rollen des Donners, der stolze Paukist, dessen große Stunde (nach drei Sätzen Pause) geschlagen hat, der flutende Regen in den „schraffierten“ Achtelpassagen der Violinen – all das hat Beethoven in der Natur um Wien erlebt: “ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: heilig, heilig! Im Walde Entzücken! Wer kann alles ausdrücken?“

Er konnte es, und wir dürfen es genießen; wir brauchen nur – wie die Natur – Zeit zu haben...

(Mathias Husmann)

BTHVN2020 : Beethoven Pastoral Project

Ausdruck der Empfindung

Mit dem Beethoven Pastoral Project möchte die Beethoven Jubiläums Gesellschaft… weiter

Werk der Woche - Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, Pastorale

Bäche, Gewitter und Hirtengesänge

Ludwig van Beethoven setzte mit seiner sechsten Sinfonie, die auch… weiter