Lieblingsstück Dorothee Oberlinger

Luciano Berio: Gesti

Die Unabhängigkeit im Kontrapunkt von Fingern, Atem und Stimme zu erreichen, macht Berios Werk „Gesti“ für Dorothee Oberlinger so spannend.

© Henning Ross

Dorothee Oberlinger

Dorothee Oberlinger

Das Stück ist wirklich eine Grenz­erfahrung – sowohl beim Interpretieren als auch beim Zuhören. Oft kommen Leute nach einem Konzert auf die Bühne und wollen die Noten sehen, weil sie sich gar nicht vorstellen können, dass diese Musik irgendwie aufgeschrieben ist. Luciano Berio hat das Werk 1966 während seiner Zeit in Amerika für Frans Brüggen komponiert, und ich glaube, Berio wollte ihn damit ein bisschen in den Wahnsinn treiben. Mir selbst ist das Stück zum ersten Mal während meines Studiums begegnet. Bei meinen ersten Performances war ich immer unglaublich konzentriert, um wirklich alles genau umzusetzen, was da in den Noten steht. Heute kann ich mir selbst mehr zuhören, viel mehr davon wahrnehmen und diese gewisse Unschärfe, die das Werk ausmacht, genießen. Es ist aber immer auch sehr von der Tagesform abhängig, weil man wahnsinnig viel Power und Körperspannung braucht.

Jetzt beißen sich meine eigenen Studierenden die Zähne daran aus. „Gesti“ ist ein Stück, an dem man wächst und aus dem man sehr viel für sich mitnimmt. Man muss sich beim Spielen intensiv mit sich selbst und mit dem Instrument auseinandersetzen. Es ist die Herausforderung, in jeder Hinsicht in die absoluten Extreme zu gehen, und man muss eine Unabhängigkeit im Kontrapunkt von Fingern, Atem und Stimme erreichen, was man als Melodie­instrumentenspielerin sonst kaum erlebt, vor allem nicht in der Alten Musik – dort feilt man an ­anderen Parametern. Aber genau dieses Erleben macht das Werk für mich so faszinierend.

Termine

Mittwoch, 14.12.2022 20:00 Uhr BASF-Feierabendhaus Ludwigshafen
Donnerstag, 29.12.2022 17:00 Uhr Ehemaliger Landtag Oldenburg

Nils Mönkemeyer, Dorothee Oberlinger

Werke von J. S. Bach, Bingen, Oswald, Bartók, Berio & Cage

Donnerstag, 29.12.2022 20:00 Uhr Ehemaliger Landtag Oldenburg

Nils Mönkemeyer, Dorothee Oberlinger

Werke von J. S. Bach, Bingen, Oswald, Bartók, Berio & Cage

Samstag, 28.01.2023 16:00 Uhr Philharmonie Mercatorhalle Duisburg

Dorothee Oberlinger, Peter Kofler

Werke von J. S. Bach, Bingen, Hahne, Berio, Messiaen & Corelli

Donnerstag, 23.02.2023 20:00 Uhr Alte Oper Frankfurt

Salon Frankfurt: Ein Käfig auf Reisen

Dorothee Oberlinger (Blockflöte), Jonas Zschenderlein & Daria Spiridonova (Violine), Vladimir Waltham (Violoncello), Alexander von Heissen (Cembalo), Helge Heynold (Rezitation)

Auch interessant

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2022

Barockmusik trifft den „Godfather of Punk“

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci erschließen „Inseln“ unterschiedlichster Art. weiter

concerti Klassik-Daily mit Holger Wemhoff – Folge 36 mit Dorothee Oberlinger

„Ich hätte den Preis verliehen bekommen sollen“

In Zeiten von Corona blickt Moderator Holger Wemhoff im concerti Klassik-Daily ins Innere der Klassikszene. Folge 36 mit Dorothee Oberlinger. weiter

Musikfestspiele Potsdam 2019: Interview Dorothee Oberlinger

„Für mich ist die Flöte nur ein Werkzeug“

Virtuosin Dorothee Oberlinger über die Ursprünglichkeit ihres Instruments, den Einfluss von Glück auf Karrieren und das Bedürfnis, Klänge neu zu entdecken. weiter

Rezensionen

Rezension Dorothee Oberlinger – Telemann: Pastorelle en Musique

Pralles Leben

Mit ihrem Ensemble 1700, dem Vocal Consort Berlin und bezaubernden Solisten lässt Dorothee Oberlinger Telemanns früheste Oper auferstehen. weiter

Rezension Dorothee Oberlinger – Dialoge

Aus einem Geist

In den zarten Bach-Dialogen von Dorothee Oberlingers Blockflöte und Edin Karamazovs Laute steckt eine wunderbare Ausdruckskraft, die den Hörer unmittelbar ergreift. weiter

Rezension Dorothee Oberlinger – Discovery of Passion

Bewegendes aus Norditalien

Blockflötenvirtuosin Dorothee Oberlinger spannt mit dem Countertenor und Geiger Dmitry Sinkovsky ein überreiches Panorama Norditaliens auf. weiter

Kommentare sind geschlossen.