„Hat es Ähnlichkeit mit Seb. Bach, so kann ich wieder Nichts dafür, denn ich habe es geschrieben, wie mir zu Mute war.“ Das schrieb Felix Mendelssohn zu seiner Choralmotette „Mitten wir im Leben sind“. Kein Wunder, hatte er doch ein Jahr zuvor in Leipzig Bachs „Matthäus-Passion“ wiederaufgeführt und so ein vergessenes Meisterwerk neu ins Bewusstsein gerückt. Hans-Christoph Rademann führt seine Gaechinger Cantorey durch ein Programm, das ihn nicht nur als Kenner der Barockmusik ausweist, sondern in dem er sich auch unbekannteren Werken von Fanny Hensel und Emilie Mayer widmet, die zur geistigen Erbauung erklingen.
So dirigiert Hans-Christoph Rademann Fanny Hensels „Oratorium nach Bildern der Bibel“. 1831 als drittes geistliches Werk innerhalb kurzer Zeit entstanden, ist es deutlich umfangreicher als die zuvor komponierten Kantaten. Die Chorpartien reichen von fünf- bis achtstimmigen Sätzen, zudem erweitert Fanny Hensel die Besetzung um drei Posaunen. Erneut richtet sie den Blick auf musikalische Traditionen vergangener Jahrhunderte, diesmal bis in die vorbarocke Epoche zurück, und verleiht ihrer persönlichen Tonsprache dadurch eine weitere Facette. Modale Harmonik erzeugt dabei stellenweise einen archaisch anmutenden Klangraum für die biblischen Texte.




