Das größte Gefühl beim Musizieren besteht für Hélène Grimaud darin, sich ganz klein zu fühlen. Die französische Pianistin empfindet es als befreiend, beim Spielen im großen Ganzen aufzugehen. Ihr Soloprogramm im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr bietet dazu eine Gelegenheit: Nach innigen, kontemplativen Spätwerken von Beethoven und Brahms eröffnet sie mit Bachs Violinchaconne in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni einen weiten Klangraum. Am Beginn steht Beethovens E-Dur-Sonate op. 109, die nach den monumentalen Ausmaßen der Hammerklaviersonate wieder zu melodienreicher Intimität zurückfindet. Den Schwerpunkt des Werks bildet der dritte Satz mit Variationen über ein sangliches Thema. Auch Brahms fand in den drei Intermezzi op. 117 in den letzten Jahren seines Lebens zu größerer Ruhe; diesen Zyklus bezeichnete er selbst als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“. Im Kontrast dazu strotzt Bachs Violinchaconne in d-Moll vor Kraft und entfaltet schon in ihrer Originalfassung einen immensen klanglichen Reichtum. Umso mehr noch in der spätromantischen Bearbeitung von Busoni, mit der Hélène Grimaud die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels voll ausreizen kann.
Hélène Grimaud beim Klavier-Festival Ruhr in Wuppertal
Zwischen Innigkeit und Weite
Nach intimen Spätwerken von Beethoven und Brahms öffnet Hélène Grimaud mit Bach in spätromantischer Bearbeitung einen Klangraum, der über den Großen Saal der Historischen Stadthalle Wuppertal hinausreicht.
© Mat Hennek/Deutsche Grammophon
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