Porträt Andrei Ioniță

In der Ruhe liegt die Kraft

Der Sieg beim Tschaikowsky-Wettbewerb war für den Cellisten Andrei Ioniță „der Anfang von allem“.

© Nikolaj Lund

Andrei Ioniță

Andrei Ioniță

Als Martha Argerich im letzten Sommer zum zweiten Mal ihr eigenes Festival in der Hamburger Laeisz­halle veranstaltete, durfte sich auch ein junger Cellist freuen, mit ihr auftreten zu können: Andrei Ioniță. Ruhig und unaufgeregt erzählt er damals von der gemeinsamen Probe für das Festival, aus der er gerade kommt. Und auch sonst wählt der 1994 geborene Rumäne seine Worte mit Bedacht. Martha Argerich ist derweil nicht die erste musikalische Größe, mit der Ioniță bisher auf der Bühne stand. Zuvor waren es bereits Steven Isserlis, Valery Gergiev und Gidon Kremer.

Dabei startete Ioniță seine musikalische Laufbahn mit fünf Jahren zunächst am Klavier. Erst seine Klavierlehrerin ermutigte ihn dazu, ein Streichinstrument zu spielen. „Sie hat gesagt, ich hätte ein gutes musikalisches Gehör und es gebe sowieso zu viele Pianisten auf der Welt“, erzählt er und lacht. Drei Jahre später erhielt er dann seinen ersten Cellounterricht. In das Instrument habe er sich gleich verliebt. Seine Cellolehrerin in seiner Heimatstadt Bukarest war Ani-Marie Paladi, die Schwiegertochter des rumänischen Komponisten Radu Paladi. Beide schätzt Ioniță sehr: „Ich hatte das Glück, ihn persönlich kennenzulernen, und versuche so oft wie möglich, seine Werke vorzustellen. Das ist immer eine besondere Erfahrung.“

2012 kam Ioniță nach Berlin und studierte bei Jens Peter Maintz an der Universität der Künste. Von ihm hat er vor allem gelernt, mit Selbstvertrauen auf die Bühne zu gehen. „Er macht das nicht unbedingt bewusst, aber seine nette und ruhige Art überträgt sich automatisch auf einen, und auf einmal hat man selbst diese innere Ruhe“, erklärt Ioniță. Diese innere Ruhe hat ihm 2015 vermutlich auch beim Tschaikowsky-Wettbewerb geholfen, aus dem er als Sieger hervorging. „Als die Preisträger aufgerufen wurden und ich die Treppe in den Tschaikowsky-Saal hinunterging, wusste ich, dass sich mein Leben von nun an komplett verändern würde.“ Es folgten Preisträgerkonzerte unter anderem mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev. „Das war nicht der Wendepunkt, sondern der Anfang von allem.“

Musik auch als Hobby: Andrei Ioniță

Stück für Stück baute sich der junge Cellist daraufhin seine internationale Karriere auf, wurde von der BBC als New Generation Artist ausgewählt und ist Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben, die ihm ein Instrument von Giovanni Battista Rogeri als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. An Weihnachten 2018 habe er dann den Anruf erhalten mit dem Angebot, in der nächsten Saison Artist in Residence der Symphoniker Hamburg zu sein. „Das war ein sehr schönes Geschenk. Mir war ganz klar, dass ich das unbedingt machen möchte.“ Schon zuvor hatte Ioniță mit dem Orchester unter Sylvain Cambreling zusammengearbeitet. Bei den Symphonikern spüre man vor allem die Warmherzigkeit, schwärmt er. Auch programmatisch hat er bei den sechs Konzerten mitgewirkt. Um seine musikalische Vielfalt abzudecken, hat er daher zu Werken von Schumann, Tschaikowsky und Dutilleux auch das Cellokonzert A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach mit ins Programm genommen.

Bei so vielen Konzerten und Projekten kommt natürlich auch die Frage über Freizeit­beschäftigungen auf. Hier hat Andrei Ioniță eine klare Ansicht: „Musiker werden immer gefragt, ob sie Hobbys haben. Ich würde sagen, die Kunst ist unsere Leidenschaft und dadurch auch unser Hobby.“ Und so verbringe er seine freien Stunden damit, Klavier zu spielen, erzählt er lachend und fügt hinzu, dass er auch häufig Freunde in Berlin treffe und Kunstmuseen besuche, sobald er in einer anderen Stadt sei.

Album-Tipp

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Andrei Ioniță (Violoncello)

Termine

Donnerstag, 29.10.2020 19:30 Uhr Laeiszhalle Hamburg

Akiko Suwanai, Andrei Ioniţă, Akane Sakai, Symphoniker Hamburg, Ben Gernon

Mozart: Ouvertüre zu „Zauberflöte“ KV 620, Beethoven: Tripelkonzert C-Dur op. 56, Tschaikowsky: Schwanensee-Suite

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