Barrie Kosky zählt zu den prägenden Theater- und Opernregisseuren der Gegenwart. Geboren 1967 in Melbourne, ausgebildet als Pianist, Dirigent und Theatermacher, entwickelte er früh eine Handschrift, die einen radikalen Zugriff ermöglicht: zutiefst musikbezogen und geprägt von jüdischer Kultur, politischem Bewusstsein und einer Lust an Überzeichnung und Groteske. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Kosky zunächst in Australien, bevor er ab den frühen 2000er Jahren zu einer zentralen Figur der europäischen Opernszene wurde.
Ein Schlüsselkapitel seiner Laufbahn ist die Zeit an der Komischen Oper Berlin, die er von 2012 bis 2022 als Intendant und Chefregisseur leitete und der er als Gastregisseur bis heute verbunden ist. Hier formte Kosky das Haus zu einem international beachteten Labor des Musiktheaters, in dem Oper, Operette und Musical gleichberechtigt nebeneinanderstanden. Seine programmatische Offenheit, die Wiederentdeckung vergessener Werke – insbesondere der Jazz-Operetten der Weimarer Republik – sowie spektakuläre Neudeutungen des Repertoires prägten ein Jahrzehnt, das der Komischen Oper weltweite Ausstrahlung verschaffte.
Parallel dazu arbeitete Kosky kontinuierlich an den bedeutendsten Opernhäusern und Festivals Europas und darüber hinaus. 2014 konnte Katharina Wagner Kosky für die Inszenierung von Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen 2017 gewinnen. Seine Inszenierungen verbinden präzise musikalische Arbeit mit körperlichem Theater, schwarzem Humor und einer ausgeprägten Sensibilität für historische wie politische Brüche. Neben zahlreichen Theaterauszeichnungen ist Kosky Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.



















