Wenn Cellistin Sol Gabetta und Violinistin Patricia Kopatchinskaja gemeinsam auf der Bühne stehen, entsteht ein Dialog, der weniger vom Effekt als von Präzision lebt. Die zwei herausragenden Musikerinnen verbindet seit vielen Jahren eine intensive kammermusikalische Zusammenarbeit, geprägt von gegenseitigem Vertrauen, wacher Neugier und der Lust, musikalische Grenzen auszuloten. Ihre Programme entstehen aus gemeinsamem Denken, aus dem Lesen, Verwerfen und Wiederentdecken von Partituren – immer auf der Suche nach Reibung, Klarheit und einem gewissen Maß an schelmischer Unterhaltung. Das Programm von „Sol & Pat“, wie sich das kammermusikalische Power-Duo nennt, folgt keiner linearen Erzählung, sondern spannt einen Kosmos aus Miniaturen, Hauptwerken und gedanklichen Brücken auf.
Virtuos und charaktervoll
Jean-Marie Leclairs federnder „Tambourin“ öffnet den Raum mit tänzerischer Geste, Jörg Widmanns pointierte Duos blitzen wie musikalische Anekdoten auf: kurz, virtuos, charaktervoll. Johann Sebastian Bachs zweistimmige Inventionen, vom Tasteninstrument gelöst, erscheinen als Essenz reiner Dialogkunst zwischen den Instrumenten. Im Zentrum steht Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello, ein Werk voll Klarheit und innerer Spannung, geschrieben im Gedenken an Claude Debussy. Askese und rhythmische Schärfe gehen hier eine fragile Verbindung ein.
Patricia Kopatchinskajas eigene „Ghiribizzi“ setzen dem eine spielerisch-ironische Perspektive entgegen, bevor György Ligetis schwebende „Hommage à Hilding Rosenberg“ den Übergang nach Osteuropa markiert. Zoltán Kodálys großes Duo schließlich bündelt archaische Kraft, formale Raffinesse und expressive Extreme – ein Prüfstein für zwei Musikerinnen, die sich auf der Bühne als gleichwertige Partnerinnen begegnen.






