Werk der Woche – Verdi: Aida

Pflichterfüllung und Leidenschaft

Bis heute ist Verdis „Aida“ eine der meist gespielten Opern der Welt – und das hat nicht nur mit dem legendären Triumphmarsch zu tun

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Symbolbild Aida: Statue

Symbolbild Aida

Es gibt klassische Werke, die schaffen es bis ins Fußballstadion. Nein, nicht Paul Potts ist gemeint, der vor manchem Spiel Puccini zum Besten gab, sondern Gesänge der Fans. Ob die wissen, wer im Triumphmarsch aus Verdis „Aida“ über wen triumphiert hat? Vermutlich nicht. Doch auch den meisten der Opernbesucher dürfte nicht bekannt sein, dass Verdi selbst nur von einem „Hymnus“, einem feierlichen Gesang sprach. Die sechs verwendeten Trompeten wurden damals eigens angefertigt und fanden danach weder bei Verdi noch woanders weitere Verwendung.

Aus „Aida“ wäre beinahe „Amneris“ geworden

Was nichts daran ändert, dass „Aida“ eine der meistgespielten Opern wurde – bis heute. Aida ist zwar eine äthiopische Prinzessin, aber in ägyptischer Gefangenschaft. Sie muss ihrer ägyptischen „Kollegin“ Amneris als Sklavin dienen. Beide lieben den ägyptischen Feldherrn Radamès. Amneris hat in diesem Duell die weitaus besseren Voraussetzungen, doch Radamès entscheidet sich für Aida. Eine Konstellation, die reichlich Stoff bietet für dramatische Szenen. Während Aida hin- und hergerissen ist zwischen der Liebe zu ihrem Land und der zu Radamès, schreibt Verdi für Amneris eine der interessantesten Mezzosopranpartien der Operngeschichte und hätte die Oper sogar fast nach ihr benannt.

Als Radamès schließlich ohne es zu wissen dem äthiopischen König die Position der ägyptischen Truppen verrät, wird er zur Strafe lebendig eingemauert. Aida teilt freiwillig sein Schicksal. So endet die Oper, bei der im zweiten Akt in manchen Inszenierungen neben hunderten Statisten sogar Elefanten auf die Bühne kommen, ebenso wie sie begonnen hat: im absoluten Pianissimo.

Klassische Zutaten der Pariser Oper

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Giuseppe Verdi dirigiert "Aida" bei der Pariser Erstaufführung 1880

Giuseppe Verdi dirigiert "Aida" bei der Pariser Erstaufführung 1880

Musikalisch gesehen handelt es sich eigentlich um eine Grand Opéra. Massenszenen, Balletteinlage und ein Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft sind die klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit. Nach Guiseppe Verdis Erfahrungen mit „Don Carlo“, dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte der Italiener allerdings nur noch seine Muttersprache vertonen.

Mit der Einweihung des Suezkanals hat „Aida“ übrigens nur bedingt zu tun. Der war längst fertig, als Verdi, gelockt von einem geradezu königlichen Honorar, seine Zusage gab. Für den Suezkanal erklang stattdessen „Rigoletto“, wie Mathias Husmann in seinen „Präludien fürs Publikum“ schreibt.

Die wichtigsten Fakten zu Guiseppe Verdis „Aida“:

Akte
Erster Akt, erstes Bild: Saal im Königspalast in Memphis
Erster Akt, zweites Bild: Im Vulcantempel in Memphis
Zweiter Akt, erstes Bild: In Amneris’ Gemächern
Zweiter Akt, zweites Bild: Stadttor von Theben
Dritter Akt: Am Nil
Vierter Akt, erstes Bild: Im Königspalast
Vierter Akt, zweites Bild: Ein Gewölbe im Vulcantempel

Orchesterbesetzung

Drei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, Bassklarinette, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, zwei Cornets à piston, drei Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug, zwei Harfen, Streicher
Bühnenmusik: Sechs „ägyptische“ Trompeten, zwei Harfen, Militärkapelle

Spieldauer

3 Stunden
Die Uraufführung fand am 24. Dezember 1871 in Kairo statt.

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Referenzeinspielung

Verdi: Aida
Arnold Schoenberg Chor
Wiener Philharmoniker
Nikolaus Harnoncourt (Leitung)
Mitwirkende: Laszlo Polgar, Olga Borodina, Matti Salminen, Dorothea Röschmann, Thomas Hampson
Warner

Nach Barock und Wiener Klassik hat sich Nikolaus Harnoncourt in seinen späteren Jahren auch der Spätromantik zugewandt. Die Aida-Produktion von 2001 ist dabei durchaus umstritten. Nicht alle Sänger überzeugen, und an die oft langsameren Tempi muss man sich gewöhnen. Auf der anderen Seite war die Orchesterbegleitung nie so transparent zu hören und hatten die Harfen im Nilakt nie so einen warmen Klang. Und die (natürlich) eigens angefertigten Trompeten im Triumphmarsch klangen nie so scharf und werfen damit ein grelles Licht auf den sonst harmlos wirkenden Hymnus.

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