Oper Leipzig: „Lohengrin“-Premiere wird vorgezogen

Der musikalische Bogen umspannt die Intrige

Patrick Bialdyga inszeniert einen verkürzten „Lohengrin“ an der Oper Leipzig. Die Premiere wird auf den 1. November vorgezogen.

© Kirsten Nijhof

Kompakt wie „Der fliegende Holländer“: GMD Ulf Schirmer hat sich für eine Corona-kompatible Zwei-Stunden-Fassung der Oper entschieden

Kompakt wie „Der fliegende Holländer“: GMD Ulf Schirmer hat sich für eine Corona-kompatible Zwei-Stunden-Fassung der Oper entschieden

Anwohner und Besucher kennen die kleinen Intarsien aus Edelstahl auf zahlreichen Gehwegen in Leipzig gut, über die man nicht stolpert, die man aber auch nicht übersehen kann. Sie legen so dezent wie charmant eine über fünf Kilometer lange „Notenspur“ durch die Stadt, die nur zu berechtigt ist, denn wahrscheinlich gibt es nirgendwo sonst derart viele authentische Wohn- und Schaffensstätten berühmter Komponisten – etwa von Telemann, Bach, Mendelssohn, Clara und Robert Schumann, Grieg, Mahler oder Reger. Und natürlich von Richard Wagner, der 1813 im „Haus zum Roten und Weißen Löwen“ am Brühl 319 geboren wurde, der in Leipzig zur Schule ging, seine Ausbildung genoss und dessen erste Kompositionen hier aufgeführt wurden – wie an Weihnachten 1830 im Comödienhaus die Ouvertüre B-Dur.

Im Gewandhaus wurde Wagners Musik erstmals im Februar 1832 gespielt, und zwar die Ouvertüre d-Moll. Wagners Büste steht selbstverständlich auch im Opernhaus, wo man sich nun eigentlich auf Katharina Wagners Inszenierung von „Lohengrin“ aus Barcelona gefreut hatte. Wegen der Corona-Pandemie freilich konnte die Urenkelin Richard Wagners die Produktion nicht abschließen. Auch sie musste also, wie so vieles andere in diesem Krisenjahr, verschoben werden, denn inzwischen hat sich alles geändert. Es gibt strenge Hygiene­vorschriften, unter denen in öffentlichen Räumen musiziert und gesungen sowie zugehört werden darf.

Aller widrigen Umstände zum Trotz: „Lohengrin“ an der Oper Leipzig

Um ­„Lohengrin“ trotz aller widrigen Umstände doch noch in Leipzig aufführen zu können, hat sich GMD Ulf Schirmer für einen radikalen Ansatz in Form einer reduzierten Fassung entschieden. Das „kreativ verkürzte Opern­format“ erarbeitete er zusammen mit dem Chef­dramaturgen Christian Geltinger und dem künstlerischen Produktionsleiter der Oper Leipzig, Patrick Bialdyga, der selbst die Regie übernommen hat. Man wird in der rund zweistündigen Version auf die großen musikalischen Bögen setzen und den Inhalt auf die Fakten komprimieren. Die Geschichte ist also auf die Intrigenhandlung konzentriert, die sich aus den Schlüsselstellen des Werks ergibt. „Kinder, schafft Neues“, lautete schließlich Wagners bekannte Devise, und der folgt man in seiner Geburtsstadt jetzt mit Kraft und Mut, mit Herz und bestimmt auch ein wenig Schmerz.

concerti-Tipp:

Wagner: „Lohengrin“ (gekürzte Fassung)
Sa. 1.11. (Vorgezogene Premiere), 18:00 Uhr
Ulf Schirmer (Leitung), Patrick Bialdyga (Regie)
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