Opern-Tipps im Sommer 2022

Eine Feier des Lebens

Den ganzen Sommer über laden Opern-Festspiele an bekannten und ungewöhnlichen Orten zum Staunen ein.

© Oliver Vogel

Ideale Kulisse: Im mittelalterlichen Schloss Hellenstein wird Wagners „Tannhäuser“ aufgeführt

Ideale Kulisse: Im mittelalterlichen Schloss Hellenstein wird Wagners „Tannhäuser“ aufgeführt

Jede Opernvorstellung sollte ein Fest sein und ihr Publikum emporheben aus den Mühen des Alltags. Sie sollte über die Sinnlichkeit von Stimmen und Orchesterklang, über die Fantasieräume von Bühnenbildern und Kostümen neue Perspektiven auf unser Menschsein eröffnen – kurz: dem Leben tiefen, schönen und wahren Sinn stiften. Doch was in der Routine von Repertoire und Abonnementreihen in der normalen Saison – beim besten Willen der Verantwortlichen – mitunter zu kurz kommt, erhält zu Festspielzeiten eine besonders Chance. Jetzt kann sich das Außergewöhnliche, das genuin Berührende, ja, nehmen wir mal ein wirklich großes Wort, das Wunderbare ereignen. Dies liegt freilich nicht nur an den ungewöhnlichen Orten des festlichen Spielens und der Bereitschaft der Künstlerinnen und Künstler, die Grenzen des Machbaren ins Magische hinein zu sprengen. Es liegt gerade auch an der Bereitschaft von uns allen, zu einer Festival­gemeinschaft zusammenzukommen, unsere Augen und Ohren neugierig zu öffnen, uns ganz einzulassen auf den Zauber, den Mozart, Verdi und Wagner für uns bereithalten. Im Festspiel können wir wieder das Staunen lernen.

Opernklassiker von Bizet über Puccini bis Wagner

Der verzückte Blick in den italienischen Abendhimmel ist dem Staunen im Verein mit den Opernklassikern von Bizet, Verdi und Puccini natürlich besonders zuträglich. Die Arena di Verona lockt dazu mit den ganz großen Sängerstars in ihre stimmungsstarke Ellipse: Elīna Garanča singt die Carmen, Anna Netrebko ist als Aida und Turandot dabei, Maria José Siri gibt die Abigaille und steht an der Seite von Plácido Domingo in einer Operngala auf der Bühne, Tenorstars wie Vittorio Grigòlo und ­Roberto Alagna sind als Alfredo und Don José zu hören. Doch auch nördlich der Alpen spielen die Open-Air-Festivals die Trümpfe von Seebühnen und Burgruinen voll aus. Die Bregenzer Festspiele bieten mit der spektakulären Sicht auf den Bodensee und einer Neuinszenierung der „Madame Butterfly“ durch Andreas Homoki auch eine akustisch ausgefeilte Soundanlage, die im riesigen Halbrund der Tribüne ein auf allen Plätzen ausgewogenes Klangerleben möglich macht. Bei den Eutiner Festspielen sitzt das Publikum umgekehrt mit dem Rücken zum See und genießt zur selben Puccini-Tragödie die zart rauschende Waldeskulisse. In Heidenheim wagt der dirigierende Intendant Marcus Bosch mit dem „Tannhäuser“ erstmals Richard Wagners große romantische Oper, die mit der mittel­alterlichen Ruine des Rittersaals auf Schloss Hellenstein die ideale Kulisse finden dürfte. Für sein alljährliches Sommertheater zieht das Opernhaus in Kiel einfach auf den Rathausplatz nebenan um. Hausherr Daniel Karasek setzt hier die „Carmen“ in Szene.

Ein neuer „Ring“ in Bayreuth

Die fraglos maximale internationale Aufmerksamkeit ist diesem Sommer freilich ist den Bayreuther Festspielen sicher, warten sie doch mit einer Neuinszenierung der „Ring“-Tetralogie auf, die in der Fränkischen Wahlheimat des ruhe­losen Richard Wagner immer wieder für einen Inszenierungsskandal gut ist. Der österreichische Regisseur Valentin Schwarz hatte für seine zunächst im Sommer 2020 geplante Deutung pandemiebedingt zwei weitere Jahre der Vorbereitung. Im beschaulichen Tiroler Festspielort Erl wird parallel Mezzolegende Brigitte Fassbaender ihren „Ring“ weiterschmieden, es feiert nun ihre Sicht auf „Die Walküre“ Premiere.

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