OPUS KLASSIK 2018: Sergei Babayan & Martha Argerich

Wenn aus der Symbiose ein stahlsaitenbasiertes Orchester erwächst

Für das Album „Prokofjew for Two“ erhalten Sergei Babayan und Martha Argerich den OPUS KLASSIK in der Kategorie „Kammermusikeinspielung“.

© Marco Borggreve

Sergei Babayan und Martha Argerich

Sergei Babayan und Martha Argerich

Es ist eine der Biografien, die durch den Untergang der UdSSR in zwei Hälften geteilt wird. Sergei Babayan gelang direkt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch im Westen der Durchbruch, weil er in den Folgejahren einen großen Wettbewerb nach dem anderen gewann. Etwa 1989 die Cleveland International Piano Competition, 1990 den Internationalen Hamamatsu-Klavierwettbewerb und 1992 den Internationalen Schottischen Klavierwettbewerb.

Im Alter von sechs Jahren hatte er das Klavier für sich entdeckt, später am Moskauer Konservatorium studiert. Seine Wahlheimat aber wurde Amerika. Und weil Babayan in den folgenden Jahrzehnten kaum je in Europa gastierte, ist sein Name hierzulande nicht so groß, wie sein außerordentliches Talent es verdient hätte.

Sanft perlend, aber nicht bruchlos

Den größten Unterschied zum Spiel anderer Virtuosen macht sein vergleichsweise sanfter Anschlag, dank dem sich seine Kunst wie ein Glas sanft perlenden Sekts genießen lässt. Darüber verblasst indessen keineswegs die Farbigkeit der Musik, weil er zugleich den Ausdruck durch großgespannte, emotionale Bögen steigert. Die Intensität, mit der ihm dies gelingt, muss keine Vergleiche scheuen und hat das Potenzial zu einem pianistischen Markenzeichen.

Völlig bruchlos trägt er seine Zuhörer aber nicht über die oft glatt und glänzend wirkende Oberfläche eines Klavierkonzertes von Mozart hinweg. Denn den Agitationsmodus wechselt er so schnell und fließend, dass man oft zwei bis drei Anschläge braucht, um zu realisieren, dass er schon wieder völlig anders spielt.

Die musikalische Freundschaft zu Argerich

Dabei verfügt er über ein breites Repertoire, ist besonders für seine Bach-Interpretationen bekannt. Mit Werken von Mozart, Beethoven, Schumann und Brahms führt sein Können aber weit ins 19. Jahrhundert hinein und bei den BBC Proms 2015 war er zudem unter der Leitung von Valery Gergiev mit dem dritten Klavierkonzert von Prokofjew zu hören. An diesem besonderen Abend wurden alle fünf Klavierkonzerte des russischen Komponisten gegeben. Die ersten beiden spielte Daniil Trifonov, Babayans bekanntester Schüler.

Martha Argerich ist schon lange eine Spielpartnerin von Babayan. Entsprechend war es keine große Überraschung, dass sie jüngst zu gemeinsamen Aufnahmen ins Studio gingen. Das Repertoire war alles andere als konventionell und setzte sich aus Werken Prokofjews zusammen, die – ursprünglich nicht für zwei Klaviere konzipiert – von Babayan eigens neu arrangiert wurden.

Ist Sergej Babayan bald präsenter in Europa?

Besonders in den das Album eröffnenden zwölf Stücken aus Prokofjews „Romeo und Julia“ spielen die beiden so symbiotisch, dass es klingt, als würden sie via Tastendirigat gemeinsam ein großes, stahlsaitenbasiertes Orchester leiten. Das Einzelstück „Der Geist von Hamlets Vater“ klingt dann schon mehr nach zwei Klavieren, ist atmosphärisch aber ebenfalls sehr stark.

Babayan hat seine insgesamt 19 Bearbeitungen Martha Argerich gewidmet, Natashas und Andreis Walzer aus „Krieg und Frieden“ ist in einer doppelten Geste der Würdigung auch Daniil Trifonov zugeeignet. Die Stücke wurden erstmals im schweizerischen Lugano vor Publikum gespielt – und weil Babayan 2017 auch beim Verbier-Festival konzertierte, können wir Europäer wohl darauf hoffen, dass er hier künftig präsenter sein wird.

Hören Sie hier Sergei Babayan mit dem Klavierkonzert Nr. 25 von Mozart:

Preisträger-Album

Prokoviev for Two

Sergej Babayan & Martha Argerich (Klavier)

Termine

Donnerstag, 26.11.2020 20:00 Uhr Kölner Philharmonie
Montag, 18.01.2021 20:00 Uhr Gasteig München

Martha Argerich, Oxford Symphony Orchestra, Marios Papadopoulos

Mendelssohn: Konzertouvertüre „Die Hebriden“ op. 26, Mozart: Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15

Sonntag, 07.02.2021 19:00 Uhr Laeiszhalle Hamburg

Martha Argerich, Symphoniker Hamburg, Sylvain Cambreling

Ravel: Le Tombeau de Couperin, Klavierkonzert Nr. 1 G-Dur & Rhapsodie espagnole, Strawinsky: L’Oiseau de feu

Sonntag, 07.03.2021 19:00 Uhr Residenz München

Mischa Maisky, Martha Argerich

Brahms: Cellosonate Nr. 2 F-Dur op. 99, Schumann: Fantasiestücke a-Moll op. 73, Schostakowitsch: Cellosonate d-Moll op. 40

Mittwoch, 31.03.2021 20:00 Uhr Philharmonie Berlin
Montag, 12.04.2021 19:30 Uhr Staatsoper Unter den Linden Berlin

Martha Argerich, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23, Francesconi: Dentro non ha Tempo, Ravel: Suite aus „Daphnis et Chloé“ Nr. 2

Dienstag, 13.04.2021 20:00 Uhr Staatsoper Unter den Linden Berlin

Martha Argerich, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23, Francesconi: Dentro non ha Tempo, Ravel: Suite aus „Daphnis et Chloé“ Nr. 2

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