Für Manfred Honeck spielt der Glaube an Gott eine zentrale Rolle. Zwar trägt er ihn nicht missionarisch vor sich her, doch gehört das Gebet vor dem Konzert zu seinen festen Ritualen. Der Glaube, so Honeck, verändere die Sicht auf das Musikmachen grundlegend: Er erde das Verhältnis zwischen ausführenden Dirigenten und dem schöpferischen Komponisten und helfe, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen – eine reflektierte Haltung, die sich trefflich mit der Interpretation von Franz Schmidts Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ nach Motiven der Offenbarung des Johannes verbindet. Warum sich Schmidt gegen die Vertonung versöhnlicherer Bibeltexte entschied, ist nicht überliefert. Gewiss ist jedoch: Für jene, die beim Jüngsten Gericht vor dem Gottesthron nicht im Buch des Lebens verzeichnet sind, hilft auch das inständigste Gebet nicht weiter.
Obschon das 1937 vollendete Werk in Österreich einen gewissen Kultstatus genießt, bleibt es in Deutschland eine Rarität. In der geballten Kraft der Rundfunkchöre von NDR und MDR sowie des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Manfred Honeck gelangt das apokalyptische Monument nun nach Hamburg und Dortmund.






