Startseite » Konzert » Auf das richtige Pferd setzen

Manfred Honeck vertritt Joana Mallwitz am Pult des BRSO

Auf das richtige Pferd setzen

Manfred Honeck vertritt die erkrankte Joana Mallwitz am Pult des BRSO. Anstatt Weill und Hindemith widmet sich Honeck klassischen Sinfonien von Haydn und Beethoven.

vonPatrick Erb,

Ursprünglich wollte Joana Mallwitz in ihrem Gastspiel beim Symphonieorchester des BR mit einem Programm von Kurt Weill über Paul Hindemith bis Prokofjew einen wilden Ritt durch die Musik der 1920er Jahre unternehmen – das erste Violinkonzert Prokofjews wäre dabei freilich das zahmste Pferd gewesen –, doch nun musste die aktuelle Berliner Konzerthauschefin krankheitsbedingt absagen. An ihre Stelle tritt der Österreicher Manfred Honeck, der mit Sinfonien von Haydn und Beethoven zwar deutlich andere Töne anschlägt, mit diesem klassischen und frühromantischen Repertoire jedoch bestens vertraut ist. Wie wenige Dirigenten unserer Zeit kann Manfred Honeck spürbar lebhaft gestalten, weshalb das Umsatteln kein Verlust sein muss.

Und gewissermaßen passen die Sinfonien sehr gut zu Prokofjew, der sein Violinkonzert zwischen 1915 und 1917 komponierte, also in seiner „klassischen Phase“. Frisch aus dem Studium am St. Petersburger Konservatorium hervorgegangen, findet der spätere Modernist hier zu zarten, träumerischen und zurückhaltend lieblichen Tönen. Das irritierte 1923 wiederum das Premierenpublikum in Paris, das das Konzert als zu altmodisch empfand. Die Musikgeschichte sollte die Genialität Prokofjews indes bestätigen: Längst zählt das erste Violinkonzert zu seinen beliebtesten Werken – wie verworren die Wege der Musikgeschichte doch bisweilen sind.

Termine

Auch interessant

Rezensionen

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!