Tōru Takemitsu gilt aus westlicher Perspektive als erster japanischer Komponist von Weltrang. Der 1930 in Tokio geborene Klangpoet verband die modalen Skalen Olivier Messiaens mit dem Impressionismus Debussys, öffnete seine Ästhetik zugleich für den Film und ließ fernöstliche Denkweisen mit westlicher Astrologie in Dialog treten. Nicht selten erweiterte Takemitsu dabei den europäischen Instrumentenkanon durch traditionelle japanische Instrumente, etwa Biwa oder Shakuhachi.
In einem Porträtkonzert würdigt das Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Bas Wiegers in der Pinakothek der Moderne die Vielfalt dieses zwischen den Welten wandernden Œuvres. In „Nostalghia“ verbindet Toru Takemitsu das Sujet des Heimatverlustes mit Bildern von Natur und Sehnsucht. Das Violinkonzert ist eine Hommage an den gleichnamigen Film des Regisseurs Andrei Tarkowski und erzählt das sehnsuchtsvolle Verlangen des Protagonisten nach Heimat nach. Liza Ferschtman übernimmt die Solovioline.
Als radikal grafisch notierte Komposition verzichtet Tōru Takemitsu wiederum in „Corona“ – ein Verweis auf den Strahlenkranz der Sonne – vollständig auf traditionelle Notation und überträgt die klangliche Gestalt weitgehend in die Entscheidungsfreiheit des Interpreten, für den das Notenmaterial lediglich Impulsgeber ist. In den „Three Film Scores“ bündelt Tōru Takemitsu exemplarisch seine Fähigkeit, filmische Atmosphären in eigenständige Klangräume zu überführen – von jazzdurchwirkter Urbanität über existenziell verdichtete Klage.




