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Opern-Tipps Juni 2026

Oper als Clownschule der Klassik

Vom Berufsnarren bis zum Alltagsclown: Die Vielfalt des Komischen in der Oper ist schier unendlich, wie der humorvoll aufgeladene Monat Juni eindrucksvoll zeigt.

vonPatrick Erb,

Ob mit weißer Schminke, Perücke und roter Nase wie Stephen Kings Pennywise oder als verträumter Pierrot: Am Clown scheiden sich die Geister. Die einen verbinden mit ihm Kindheitserinnerungen, andere empfinden ihn seit jeher als Zumutung. Dabei ist die Figur mindestens so wandelbar wie die bunten Rauten eines Harlekinkostüms, ihre Grenzen zu Narren und Gauklern sind fließend.

Italienische Traditionskomik

Im Musiktheater besitzen solche Figuren seit Jahrhunderten Tradition. Der Narr kann Unterhalter und Berater sein, groteske Witzfigur oder tragischer Außenseiter. In Italien, wo es ab dem 17. Jahrhundert nur wenig Sprechtheater gab, wanderte zudem die Stegreifkunst der Commedia dell’arte in die Oper ein und prägt einige der populärsten Werke des Repertoires, mal als direkte Figurenübernahme, mal in subtil verwandelter Form.

Deutlich tritt diese Welt in Leoncavallos „Pagliacci“ hervor. Vordergründig erzählt die Oper vom Leben einer fahrenden Schauspieltruppe, hinter den Masken aber wachsen Eifersucht und Verrat. Als Canio, der auf der Bühne den Pagliaccio spielt, von der Untreue seiner Frau Nedda erfährt, erkennt er plötzlich sich selbst als jene lächerliche Figur, die er bislang nur verkörperte. Am Ende ersticht Canio Nedda, bevor der berühmte Satz fällt: „La commedia è finita.“ Viele Theater lösen das veristische Werk inzwischen aus der traditionellen Kombination mit „Cavalleria rusticana“ und spielen es eigenständig, so derzeit auch Mönchengladbach.

Kaum noch sichtbar sind die Ursprünge der Commedia dell’arte dagegen in Puccinis „Turandot“. Zwar verschwinden die Typenfiguren beinahe vollständig, doch in Ping, Pang und Pong lebt ihr Geist weiter. Als grotesk-humorvoller Gegenpol zur grausamen Titelfigur beklagen sie insgeheim die Grausamkeiten ihrer Herrin. Gerade ihre lebendige Charakterzeichnung wird häufig zum heimlichen Zentrum einer Inszenierung. Im „Turandot“-Jahr 2026, in dem zahlreiche Häuser Puccinis Fragment neu befragen, zeigen unter anderem die Oper Stuttgart und das Landestheater Niederbayern neue Produktionen.

Kein Narr wie der andere

Auch Verdi erwies sich als kluger Illustrator des Komischen. In „Rigoletto“ bleibt offen, wer hier der Narr ist. Zwar erfüllt der hinkende Titelheld seine Rolle als Hofspaßmacher, zugleich sorgt er sich zärtlich um seine Tochter Gilda. Die Lächerlichkeit liegt oft beim höhnischen Hofstaat des Herzogs von Mantua. Regisseurin Shira Szabady zeigt diesen in Hildesheim folgerichtig als grelle Karnevalsgesellschaft (Aufmacher). Neue Produktionen des Verdi-Klassikers entstehen zudem in Regensburg und Karlsruhe.

Schließlich lehrt „Falstaff“, dass Narretei weniger Kostüm als Haltung sein kann. Die komische Wucht der Figur, die so manches ertragen muss, entsteht nicht allein aus ihrer Leibesfülle, sondern aus Selbstüberschätzung, Lebenshunger und sprachlicher Virtuosität. Doch hinter aller Heiterkeit steht ein alternder Mann, der gegen Einsamkeit und Bedeutungsverlust kämpft. Gerade deshalb wirkt Falstaff am Ende nicht blutig, zynisch oder clownesk, sondern zutiefst menschlich.






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