Startseite » Porträts » Wie ein Gott den Klängen Leben einhauchen

Porträt Raphaël Pichon

Wie ein Gott den Klängen Leben einhauchen

Der französische Dirigent Raphaël Pichon sucht nach dem Gleichgewicht zwischen Herz und Verstand.

vonFrank Armbruster,

Bach, sagte Raphaël Pichon in einem Interview, habe sein Leben verändert. Neun Jahre war der heute 38-jährige Dirigent alt, als er im Kinderchor „Petits Chanteurs“ in Versailles erstmals Bachs „Johannes-Passion“ sang. Musiziert wurde dabei auf historischen Instrumenten, was Pichons Klangvorstellung nachhaltig geprägt hat. Nach Studien in Gesang, Violine und Klavier an Pariser Konservatorien sang Pichon als junger Countertenor unter wichtigen Dirigenten der historischen Aufführungspraxis wie Jordi Savall, Gustav Leonhardt, Ton Koopman und Geoffroy Jourdain und gründete parallel das bis heute bestehende Ensemble Pygmalion. Der Name steht für den antiken Mythos des Bildhauers, der sich eine Statue als ideale Frau erschafft, die von der Göttin Aphrodite schließlich Leben eingehaucht bekommt. Wenn man in den Proben nur hart genug arbeitet, so könnte man den Vergleich musikalisch ziehen, kann im Konzert Lebendigkeit entstehen. Und tatsächlich gilt Pichon als akribischer Probierer: Die klangliche Ausdifferenzierung, Klarheit und Transparenz seiner Aufführungen kommen nicht von ungefähr.

Raphaël Pichon dirigiert von Paris über Salzburg bis Peking

Dabei blieb Pichon nicht bei der Alten Musik stehen. Zwar bilden die Werke von Bach, Rameau, Lully oder Monteverdi einen Schwerpunkt seines Schaffens, doch längst hat er das Musizieren auf historischen Instrumenten bis in die Romantik, ja in die frühe Moderne hinein erweitert. An der Pariser Opéra-Comique hat er Beethovens „Fidelio“ dirigiert, in Bordeaux Brahms‘ „Deutsches Requiem“ aufgeführt, die Liste seiner Auftrittsorte mutet imposant an: von den Salzburger Festspielen über die BBC Proms reicht das Spektrum bis zum French May Arts Festival in Hongkong und dem Beijing Music Festival.

Und natürlich haben auch längst andere Orchester die Hand nach ihm ausgestreckt, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und das Züricher Opernhausorchester sind nur zwei davon. Dennoch: Pygmalion, so betont Pichon, solle „seine Priorität, seine Heimat“ bleiben. Und Johann Sebastian Bach sein Lieblingskomponist. Denn in Bachs Musik, so Pichon, „herrscht ein einzigartiges Gleichgewicht zwischen Herz und Verstand.“

Termine

Auch interessant

Rezensionen

Anzeige

Video der Woche

Zwei Geigen, ein Cello, ein Klavier – und ein Übermaß an kreativer Energie

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Mit ihrem neuen Programm „heimat“ feiern Salut Salon das Finale einer Konzert-Trilogie: Auf „Liebe“ und „Träume“ folgt das nächste große, fast allumfassende Thema. Denn: Was genau ist das eigentlich, Heimat? Ist es ein Ort? Tradition? Ein Gefühl? Sind es die Menschen, die einen umgeben? Oder vielleicht Worte, Sprachen, Klänge? Mit der traumwandlerischen Selbstverständlichkeit, mit der die vier Musikerinnen Stücke aus allen Winkeln der Welt in diesen wunderbaren Konzert-Abend verwandeln, geben sie auch gleich ihre ganz eigene Antwort: Salut Salon sind in der Welt zu Hause – und ihre Heimat ist die Musik.

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!