Musikstadt Leipzig

Wo die Musik den Ton angibt

In Leipzig ist Musikgeschichte nichts Theoretisches. Die ganze Stadt lebt ihr Erbe, das sie von den größten Komponisten und Künstlern übernommen hat.

© Philipp Kirschner

Augustusplatz mit der Oper Leipzig

Augustusplatz mit der Oper Leipzig

Kaum eine Stadt hat den Beinamen „Musikstadt” so sehr verdient wie Leipzig. Dort ist Richard Wagner geboren, hat Johann Sebastian Bach als Thomaskantor gewirkt und Felix Mendelssohn das erste deutsche Musikkonservatorium gegründet, haben Clara und Robert Schumann komponiert und Erfolge gefeiert. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt, wenn man bedenkt, dass insgesamt über 500 Komponisten in der sächsischen Metropole gelebt und gearbeitet haben. „Die Marke ‚Musikstadt Leipzig‘ führt die wichtigsten Leipziger Protagonisten klassischer Musik zusammen und lädt Musikfreunde aus aller Welt ein, an authentischen und besonderen Orten musikalisches Weltniveau zu erleben – in einem gastfreundlichen und welt­offenen Leipzig“, sagt Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke.

Die Spuren dieser Protagonisten finden sich dort bis heute. Viele Häuser und Institutionen sind noch immer erhalten, darunter das Schumann-Haus, das sich heute als Museum die Räumlichkeiten mit der Freien Grundschule Clara Schumann teilt, das Mendelssohn-Haus, in dem sich die letzte und einzige noch existierende Wohnung des Komponisten befindet, die Oper Leipzig, wo Gustav Mahler als Zweiter Kapellmeister gewirkt hat, und das Gewandhausorchester, das zu den bedeutendsten Klangkörpern in Deutschland zählt. „In Leipzig wird seit jeher Musik wie in kaum einer anderen Stadt gelebt! Bedeutende Musikerpersönlichkeiten schrieben hier zusammen mit dem Gewandhausorchester Musikgeschichte“, betont Prof. Andreas Schulz, Gewandhausdirektor am Gewandhaus zu Leipzig.

Kaufleute setzen Grundstein für Musikstadt

© Jens Gerber

Gewandhausorchester

Gewandhausorchester

Das Besondere an Leipzig – und genau das macht die Musiklandschaft dort auch so vielfältig – ist, dass sich das Musikleben nicht am Hof entwickelt hat, sondern im bürgerlichen Bereich entstanden ist. So waren es 1743 Leipziger Kaufleute, die einen Konzertverein unter dem Namen „Großes Concert“ gründeten und Leipzig zu einer der wichtigsten Musikmetropolen machten. Ab 1744 fanden die Konzerte im Messehaus der Tuchhändler statt, wodurch die Namen „­Gewandhaus“ sowie „Gewandhausorchester“ entstanden sind. Am ehemaligen Standort des ersten Gewandhauses erinnert heute eine Plakette an die Konzertereignisse von damals: an Brahms, Berlioz und Wagner, die hier ihre Werke dirigiert haben, sowie an die Uraufführungen von Beethovens fünftem Klavierkonzert und Schuberts großer C-Dur-Sinfonie; an Clara Schumann, die mit neun Jahren zum ersten Mal öffentlich vor Publikum spielte und an Felix Mendelssohn, der einer der bedeutenden Kapellmeister des Gewandhausorchesters war.

Das heutige (dritte) Gewandhaus wurde 1981 fertiggestellt und steht am Augustusplatz und damit nur einen Steinwurf vom Vorgängerbau entfernt. Verbunden ist das Gewandhausorchester auch mit den anderen Leipziger Musikinstitutionen wie der Oper Leipzig als deren ständiges Orchester und der Thomaskirche, wo es den Thomanerchor musikalisch bei den wöchentlichen Motetten begleitet. Der Knabenchor zählt mit über 800 Jahren Geschichte zum ältesten Kulturgut Leipzigs. Es ist vor allem das Wirken Johann Sebastian Bachs, das den Chor bis heute weltweit so einzigartig macht. Von 1723 bis zu seinem Tod im Jahr 1750 war Bach Thomaskantor und Director Musices. Neben seinen Aufgaben in der Thomas- und der Nikolaikirche hat er in seiner Zeit in Leipzig auch bedeutende Werke wie das Weihnachtsoratorium, die Matthäus- und die Johannes-Passion sowie die h-Moll-Messe komponiert und zur Uraufführung gebracht.

Eine „Perlenkette“ verbindet die wichtigsten Punkte

Wie lebendig die Musik in Leipzig ist, zeigt die Leipziger Notenspur, die auf fünf Kilometern die wichtigsten musikhistorischen Punkte im Stadtzentrum miteinander verbindet. Nicht nur deuten auf den Boden eingelassene Edelstahl-Symbole auf eine Sehenswürdigkeit hin: Infotafeln an den Gebäuden geben zusätzliche Informationen. Werner Schneider ist der Initiator der Leipziger Notenspur und findet einen schönen Vergleich: „Die Notenspur verbindet alles miteinander. Es macht einen großen Unterschied, ob man eine Handvoll Perlen oder eine Perlenkette hat.“ Zukünftig soll die Leipziger Notenspur durch künstliche Intelligenz erweitert und für die Nutzer damit noch lebendiger werden.

© Philipp Kirschner

Notenspur vor der Thomaskirche

Notenspur vor der Thomaskirche

Große Festivals ehren große Komponisten

Leipzig ist sich seines Erbes bewusst und hält seine Komponisten bis heute hoch. Jedes Jahr werden sie mit eigenen, bedeutenden Festivals geehrt, die unter der Dachmarke „Musikstadt Leipzig“ zusammenkommen. Dazu gehört das alljährliche Bachfest Leipzig. Unter dem Motto „BACH – We Are Family“ wird es im Juni 2022 zahlreiche Konzerte an den authentischen Orten geben. Auch Felix Mendelssohn wird jedes Jahr mit Festtagen rund um seinen Todestag am 4. November geehrt. Zum 100. Todestag Gustav Mahlers fand 2011 in Leipzig erstmals das Mahler-Festival statt. Eine zweite Ausgabe war für 2021 geplant, wurde jedoch Corona-bedingt auf 2023 verschoben. „Warum Leipzig? Hier verbrachte Gustav Mahler zwei Jahre seines Lebens, dirigierte das Gewandhausorchester nahezu täglich und wurde zu dem, den wir heute kennen: zum Komponisten faszinierender Sinfonien“, erklärt Gewandhausdirektor Schulz.

Ein gigantisches Projekt sind die Opernfesttage WAGNER 22, die noch einmal ein besonderes Augenmerk auf die Werke des in Leipzig geborenen Komponisten legen. Die Oper Leipzig nimmt alle Werke des Komponisten ins Repertoire auf und führt sie in einem dreiwöchigen Festival chronologisch auf. „Mit WAGNER 22 gelingt der Oper Leipzig in der Geburtsstadt Richard Wagners ein weltweit einzigartiges Ereignis“, schwärmt Ulf Schirmer, Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig: „Erst durch diese zeitliche Verdichtung in der Auseinandersetzung mit Wagners Werken wird die Entwicklung seines kompositorischen Schaffens hörbar.“ Leipzig trägt den Titel Musikstadt also vollkommen zu Recht.

concerti-Tipp:

Mendelssohn-Festtage 2021
1.-7.11.2021
Andris Nelsons, Gewandhausorchester u.a.
Oper Leipzig, Gewandhaus u.a.

Wagner 22
20.6.-14.7.2022
Gewandhausorchester Leipzig, Ulf Schirmer, u.a.
Oper Leipzig u.a.

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