Werk der Woche – Mozart: Don Giovanni

Was lange währt, wird endlich gut

Mozarts „Don Giovanni“ ist eine der beliebtesten Opern der Musikgeschichte. Ihr Siegeszug begann jedoch mit einer kleinen Verzögerung

© gemeinfrei

Der Sänger Francisco d'Andrade als Don Giovanni. Ölgemälde von Max Slevogt, 1912

Der Sänger Francisco d'Andrade als Don Giovanni. Ölgemälde von Max Slevogt, 1912

Für den 14. Oktober 1787 hatte sich hoher Besuch in Prag angekündigt. Maria Theresia Josepha von Österreich und ihr Ehemann Anton, der späteren König von Sachen, waren auf der Durchreise. Wolfgang Amadeus Mozart, seit längerem in der Stadt, war im März desselben Jahres von dem Prager Impresario Pasquale Bondini mit der Komposition des „Don Giovanni“ beauftragt worden und hatte in den ersten Oktobertagen die abschließenden Arbeiten an der Oper, deren Libretto aus der Feder des legendären Librettisten Lorenzo Da Ponte stammt, vorgenommen. Die Ankunft der adligen Gesellschaft schien der willkommene Anlass zur Uraufführung zu sein. Doch die Zeit rannte.

Schließlich kam es wie es kommen musste: Der Zeitplan war zu knapp bemessen, das Prager Ensemble hatte Schwierigkeiten bei den Proben und die geplante Uraufführung für die prominenten Gäste musste verschoben werden. Mozart schrieb wenig später an den befreundeten Gottfried Freiherr von Jacquin: „Sie werden vermutlich glauben, daß nun meine Oper schon vorbey ist – doch da irren sie sich ein bischen. Erstens ist das hiesige theatralische Personale nicht so geschickt wie das zu Wien, um eine solche Oper in so kurzer Zeit einzustudieren. Zweitens fand ich bei meiner Ankunft so wenige Vorkehrungen und Anstalten, daß es eine blosse unmöglichkeit gewesen seyn würde, Sie am 14te als gestern zu geben.“ 

Verzögerte Uraufführung des „Don Giovanni“

Um das durchlauchte Publikum nicht zu enttäuschen, dirigierte Mozart seine Oper „Le nozze di Figaro“, der „Don Giovanni“ kam schließlich erstmals am 29. Oktober im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater in Prag auf die Bühne. Und das mit so großem Erfolg, dass Kaiser Joseph II. sich eine Aufführung des Werks im Folgejahr in Wien wünschte. Mozart begann daraufhin die Oper umzuarbeiten, einzelne Nummern zu streichen und neue Teile hinzuzufügen. Die Handlung um den einerseits rücksichtlosen, jedoch gleichermaßen moralisch anständigen Don Giovanni, dessen Interesse sich ausschließlich um die Eroberung der Frauen in seiner Umgebung dreht, der zum Mörder wird und trotz des gutmütigen Zutuns seines Gegenspielers Komtur, der ihn zur Reue bewegen will, freiwillig in die Hölle fährt, verändert er für das Wiener Publikum leicht. Der großer Erfolg blieb in Wien jedoch aus.

E.T.A. Hoffmann sorgt für große Beliebtheit des Opernstoffs

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts traf die Oper durchgängig auf großes Interesse beim Publikum, meistens als Singspiel in einer Mischung aus Dialog und Gesang inszeniert und häufig mit deutschem, statt mit dem italienischen Originaltext dargeboten. Zusätzliche Begeisterung fand „Don Giovanni“, als E.T.A. Hoffmann mit seiner 1813 erschienene Novelle „Don Juan – eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen“ einen großen Erfolg erzielte und das Interesse an dem Opernstoff damit merklich anstieg. Seither veränderte sich die Aufführungspraxis der Oper stetig weiter; heute gilt „Don Giovanni“ als eine der erfolgreichsten Opern aller Zeiten.

Die wichtigsten Fakten zu Mozarts „Don Giovanni“: 

Orchesterbesetzung: Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Mandoline, Streicher und Basso continuo

Spieldauer: 2 ¾ Stunden 

Uraufführung: Die Uraufführung fand am 29. Oktober 1787 im Gräflich Nostitzschen Nationaltheater in Prag statt.

Referenzeinspielung:

In dieser Einspielung John Eliot Gardiners ist neben der großartigen Gesangsleistung vor allem der transparente und kraftvolle Orchesterklang hervorzuheben, der mithilfe bedacht gewählter Tempi die Handlung der Oper eindrucksvoll untermalt.

Was lange währt, wird endlich gut

Mozart: „Don Giovanni“

Rodney Gilfry, Luba Orgonasova, Charlotte Margione, Eirian James, Christoph Prégardien, Ildebrando D’Arcangelo, Julian Clarkson, Andrea Silvestrelli, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner
Archiv Produktion 1995

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