Puccini: Madama Butterfly

Japanische Tragödie (UA Milano 1904)

Im Orchester ein wildes Fugato – wie eine drohende Grimasse, auf der Bühne ein kleines Haus mit beweglichen Wänden und Terrasse auf einem Berg oberhalb des Hafens – ein lächelndes Idyll. Etwas paßt nicht zusammen, Unheil liegt in der Luft. Ist es der Name der Stadt, der uns erschreckt, wenn wir gewärtigen, daß die Liebesgeschichte zwischen dem U.S. amerikanischen Marineleutnant B.F. Pinkerton und der japanischen Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, in Nagasaki spielt? Das 20.te Jahrhundert hat eben erst begonnen, aber es hat eben schon begonnen...

Pinkerton hat sich eine junge Japanerin zwecks Heirat vermitteln lassen – für die Zeit seiner Stationierung, später, zuhause soll es dann eine „richtige“ Amerikanerin sein. Der Konsul warnt ihn. Die Braut erscheint mit ihren Verwandten und Freundinnen. Der Bonze stört die Hochzeit: er verflucht Cho-Cho-San, weil sie zum Glauben des Bräutigams übergetreten sei. Pinkerton wirft alle hinaus. Butterfly bereitet ihm eine berauschende Hochzeitsnacht.

Drei Jahre später, Pinkerton ist wieder in den Staaten, ein kleiner Junge spielt auf der Terrasse. Vergeblich sucht der Konsul, Butterfly - Mrs. B.F. Pinkerton darauf vorzubereiten, daß Pinkerton wiederkommt – mit seiner amerikanischen Frau. Butterfly schmückt mit ihrer Dienerin Suzuki das Haus für den Empfang mit Blumen und Zweigen, dann stellt sie sich ans nächtliche Fenster, späht nach dem einlaufenden Kriegsschiff und wartet...

Am nächsten Morgen wartet sie immer noch. Kate Pinkerton erscheint, sie möchte das Kind adoptieren. Butterfly stimmt zu, er soll es abholen „in einer halben Stunde“...

Puccini führt westliche Harmonik und östliche Pentatonik kraft seiner Italianita geschickt zusammen. Musikalische Höhepunkte:

- das Herannahen der Hochzeitsgesellschaft,
- das Hochzeits-Duett – sehr erotisch, dabei immer mit dem Fluch des Bonzen im Hintergrund,
- das Blumen-Duett Butterfly/Suzuki, wenn beide das Haus schmücken,
- das große Zwischenspiel des Wartens (mit Chorstimmen und Viola d'amore),
- der Abschied Butterflys von ihrem Kind und ihr Harakiri.

Der Tenor Helmut Meutsch sagte, er verließe als Pinkerton das Theater immer durch einen Nebenausgang. Aller Herzen schlagen für die kleine Cho-Cho-San, die in unerschütterlicher Liebe zu einer großen, leidensstarken Frau wird – ihr mußte in Puccinis Werk irgendwann die hassende, rächende, männermordende Turandot folgen...

(Mathias Husmann)

Werk der Woche – Puccini: Madama Butterfly

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