Puccini: Tosca

(UA Rom 1900)

Drei brutale Akkorde: zwei tief, sich harmonisch spreizend – wie jemand sich breitbeinig in Pose stellt, der dritte hoch, grell und lang – wie ein böses Lachen. Mussolini? Göring? Nein: Baron Scarpia, der korrupte, lüsterne Chef der römischen Staatspolizei zur Zeit der Napoleonischen Kriege.

Jemand stürzt atemlos in die Andreaskirche, sucht und findet den Schlüssel zu einer Seitenkapelle. Ein Mesner schlendert mit Eßkorb und Malutensilien herbei – für den Maler Mario Cavaradossi, der an einem Porträt der Maria Magdalena arbeitet. Der Mesner ist empört: die Heilige sieht ja aus wie jene Frau, die jüngst vor der Seitenkapelle betete...

...Verhängnisvoller Leichtsinn des Malers! Scarpia erkennt die Züge auf dem Porträt: es ist die Schwester des flüchtigen Angelotti. Er läßt Cavaradossi verhaften und im Palazzo Farnese in Anwesenheit von seiner Geliebten, der berühmten Sängerin Floria Tosca, foltern. Tosca will Cavaradossi freikaufen, Scarpia fordert sie als Preis. Das Todesurteil wird in eine Scheinerschießung umgewandelt, sie selbst darf es ihm im Gefängnis mitteilen. Als Scarpia sich Tosca wollüstig nähert, ersticht sie ihn. Im Morgengrauen besucht Tosca Cavaradossi auf der Engelsburg und schärft ihm ein, bei den Gewehrsalven theatralisch hinzufallen. Als die Soldaten abgezogen sind, ruft sie ihm zu, aufzustehen – er rührt sich nicht. Tosca springt von der Mauer der Engelsburg.

Höhepunkte: das Tedeum mit Orgel und Glocken in der Kirche, während sich Scarpia in sexuellen Fantasien ergeht...
Die schmerzhafte Phrase der Violinen, als Tosca den Dolch auf Scarpias Schreibtisch erblickt und erkennt, daß ihr keine Wahl bleibt...

Das ergreifende Klarinettensolo, wenn Cavaradossis Leben in seiner letzten Stunde sich zu einer einzigen bittersüßen Erinnerung zusammenzieht: als Tosca ihm zum erstenmal im Arm lag...
Die mystischen nahen und fernen Glocken des erwachenden Rom...
Und schließlich: der faszinierend – scheußliche Marsch unter dem Erschießungsritual!

Als legendär gilt die Darstellung der Tosca durch Maria Callas – aber jede Sängerin wächst in dieser Partie über sich hinaus.

Tosca steht als Fanal über dem beginnenden 20.ten Jahrhundert: Schikane gegen Kunst und Künstler, politische Verfolgungen, Folter, willkürliche Hinrichtungen, Faschismus, Kriege...die Premiere mußte wegen einer Bombendrohung unterbrochen werden – mitten in der wunderbaren Arie des Malers, vor seinem Gemälde stehend, über die Augen der Frauen...

(Mathias Husmann)

Illustration "Tosca"

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