Konzert-Tipp: „Aus der neuen Welt“ in der Alten Oper Frankfurt

Blick auf Dvořák

Fernab seiner tschechischen Heimat komponierte Antonín Dvořák sein bekanntestes Werk, die neunte Sinfonie „Aus der neuen Welt“. In der neuen Ausgabe ihrer Reihe „Spotlight“ nimmt das hr-Sinfonieorchester den Klassiker genauer unter die Lupe.

© gemeinfrei

Antonín Dvořák, 1882

Antonín Dvořák, 1882

Als Antonín Dvořák 1892 in die USA reiste, um seine Stelle als Direktor des National Conservatory of Music in New York anzutreten, war er schon 51 Jahre alt und in seiner Heimat Tschechien einer der bekanntesten Komponisten. Eingeladen wurde er von der wohlhabenden Witwe Jeanette Thurber, in der Hoffnung, er möge eine eigene nordamerikanische Musikkultur entwickeln. Hintergrund war der Wunsch der Amerikaner, sich vom westlich-europäischen Musikverständnis zu lösen. Dennoch wurde ausgerechnet ein europäischer Komponist mit dieser Mission beauftragt. Wie passt das zusammen?

Jeanette Thurber war Dvořáks unermüdlicher Wunsch aufgefallen, dem tschechischen Musikschaffen eine nationale Identität zu verleihen. In seinen Werken wie „Die Erben des Weißen Berges“ arbeitete er deshalb oft mit volksmusikalischen Elementen und traf damit den Nerv der Tschechen. Er erschien der Witwe daher als geeigneter Kandidat.

Auf der Suche nach „amerikanischer“ Musik

Um zu erforschen, was denn eigentlich „amerikanische“ Musik ist, schlenderte Dvořák durch den Central Park, suchte Ureinwohner auf, um sich deren volkstümlichen Melodien anzuhören, und ließ sich von afroamerikanischen Studenten Lieder von Plantagenarbeitern vorsingen. In einem Interview mit dem New York Herald sagte er: „Ich bin jetzt überzeugt, dass die zukünftige Musik dieses Landes auf dem basieren muss, was man ,Negerlieder‘ nennt. Sie sind amerikanisch. In den Negerliedern finde ich alles, was für eine bedeutende und vornehme Schule der Musik nötig ist. Sie sind pathetisch, zart, leidenschaftlich, melancholisch, feierlich, religiös, verwegen, lustig, fröhlich…“

© gemeinfrei

Antonín Dvořák, Autograf der Sinfonie Nr. 9

Antonín Dvořák, Autograf der Sinfonie Nr. 9

Beeindruckt von diesen neuen Einflüssen schrieb Dvořák das wohl erfolgreichste Werk seiner Karriere: die neunte Sinfonie mit dem Beinamen „Aus der neuen Welt“. Doch ob die Sinfonie wirklich so amerikanisch klingt, darüber scheiden sich die Geister, findet man doch viele europäische Elemente darin. Ein voller Erfolg war die Sinfonie dennoch bei ihrer Uraufführung im Dezember 1893 in der New Yorker Carnegie Hall.

Drittes Meisterwerk in der Reihe „Spotlight“: „Aus der neuen Welt“

Für eine neue Ausgabe ihrer Gesprächskonzert-Reihe „Spotlight“ haben sich das hr-Sinfonieorchester und sein Dirigent Andrés Orozco-Estrada nun Dvořáks Meisterwerk herausgesucht, um es näher zu beleuchten. Nach „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky und der „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz ist das nun der dritte Klassiker der Reihe. Damit sollen nicht nur erfahrene Klassikfans einen intensiveren Blick auf die Stücke werfen können, auch Laien soll die Möglichkeit geboten werden, einen Zugang zur klassischen Musik zu bekommen.

Mit seiner sympathischen und scherzhaften Art erzählt Orozco-Estrada Hintergründe zu Werk und Komponist und animiert das Publikum auch das eine oder andere Mal, selbst aktiv zu werden. Dabei gerät die Musik aber nie in den Hintergrund. So ist ein ungewöhnlich frischer Konzertabend  am 18. Oktober ab 19 Uhr vorprogrammiert.

Sehe Sie hier das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada mit Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“:

concerti-Tipp:

Do., 18.10.2018, 19 Uhr
hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada (Leitung)
Antonín Dvořák: Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“
Alte Oper Frankfurt
www.hr-sinfonieorchester.de

Termine

Montag, 16.03.2020 20:00 Uhr Tonhalle Düsseldorf

Joshua Bell, Hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada

Brahms: Violinkonzert D-Dur op. 77, R. Strauss: Don Juan op. 20 & Rosenkavalier-Suite

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