Radio-Tipp 4.1.: Alina Ibragimova spielt Schumanns Violinkonzert

Unter Verschluss

Es dauerte lange, bis Robert Schumanns Violinkonzert endlich uraufgeführt wurde. Und das ausgerechnet bei einer Veranstaltung der Nationalsozialisten.

Alina Ibragimova © Eva Vermandel

Alina Ibragimova

Mehr als achtzig Jahre mussten vergehen, bevor Robert Schumanns 1853 komponiertes Violinkonzert uraufgeführt wurde. Es sollte sein letztes Orchesterwerk werden, denn nur wenige Monate nach Fertigstellung stürzt er sich bei einem Suizidversuch in den Rhein und wird kurze Zeit später in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, wo er 1856 stirbt. Bei einer Probe in Hannover mit dem Geiger Joseph Joachim bekommt Schumann einen Eindruck seiner Komposition, jedoch wird er diese nie zur Gänze hören können, denn die geplante Uraufführung in Düsseldorf wird kurzfristig abgesagt.

Nach dem Tod des Komponisten sind sich seine Frau Clara und Joseph Joachim einig, das Werk nicht zu veröffentlichen: Zu sehr spiegele es den schlechten seelischen Zustand des Verfassers wider. So werden die Noten nach Clara Schumanns Tod zunächst an Joachim, dann an dessen Sohn weitergegeben, der die Partitur schließlich der Preußischen Staatsbibliothek verkauft – mit der Bedingung, es erst hundert Jahre nach Schumanns Tod zu veröffentlichen.

Schumanns Violinkonzert: Uraufführung bei NS-Veranstaltung

Doch dem Musikverlag Schott gelang es, das Violinkonzert bereits 1937 zu veröffentlichen – sehr zur Freude der Nationalsozialisten, die noch ein Werk eines deutschen Komponisten für eine NS-Veranstaltung im gleichen Jahr suchten. So wurde Schumanns Violinkonzert am 26. November im Deutschen Opernhaus Berlin mit dem Solisten Georg Kulenkampff und den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Karl Böhm uraufgeführt.

NDR Kultur überträgt Konzertmitschnitt aus der Elbphilharmonie

Es dauerte noch einige Zeit, bis das Violinkonzert gänzlich seinen Platz in den Konzertprogrammen weltweit gefunden hat. Und doch zählt es heute zu den wichtigsten und beliebtesten seiner Gattung. Zahlreiche Künstler wie Yehudi Menuhin, Gidon Kremer, Isabelle Faust oder Carolin Widmann haben das Werk eingespielt.

Die russische Geigerin Alina Ibragimova, die bereits sämtliche Violinsonaten von Mozart und Beethoven eingespielt und einen kompletten Brahms-Zyklus aufgeführt hat, ist musikalisch vielseitig und will sich nicht auf eine bestimmte Epoche festlegen. So begeisterte sie im November mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding die Zuschauer der Hamburger Elbphilharmonie mit Schumanns Violinkonzert. Für alle, die nicht dabei sein konnten, überträgt NDR Kultur heute Abend den Konzertmitschnitt.

Isabelle Faust spielt Schumanns Violinkonzert:

concerti-Tipp:

NDR Kultur
4.1.2019, 20:00 Uhr

Alina Ibragimova (Violine)
Swedish Radio Symphony Orchestra
Daniel Harding  (Leitung)

Pettersson: Symphonic Movement
Schumann: Violinkonzert d-Moll
Berlioz: Roméo et Juliette – Symphonie dramatique op. 17 (Auszüge)

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