Reportage Festival de Pâques in Aix-en-Provence

Sommerfeeling zur Osterzeit

Aix-en-Provence ist nicht nur im Sommer eine Reise wert: Schon zur Osterzeit lädt das Festival de Pâques zu einem besonderen Klassikerlebnis nach Südfrankreich ein.

© Adobe Stock Photo

„Als ich darüber nachgedacht habe ein Festival zu gründen, erschien mir Aix als perfekter Ort, weil die Stadt so wunderschön und das Wetter bereits an Ostern warm und sonnig ist“, sagt Renaud Capuçon

„Als ich darüber nachgedacht habe ein Festival zu gründen, erschien mir Aix als perfekter Ort, weil die Stadt so wunderschön und das Wetter bereits an Ostern warm und sonnig ist“, sagt Renaud Capuçon

Denkt man an die Provence, kommt einem vor allem die bunt leuchtende Landschaft Südfrankreichs in den Sinn. Nicht ganz unschuldig daran ist Paul Cézanne, der in seinen Bildern die strahlenden Farben des Meeres, der Olivenbäume, der Fliederfelder und der Sonne eingefangen hat. „Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben“, sagte er. Und wenn man Aix-en-Provence erlebt, wo er bis heute allgegenwärtig ist, weiß man genau, was er meint. Doch die Stadt bietet nicht nur für Maler die perfekte Kulisse. Als Salzburg des Südens bezeichnet Geiger Renaud Capuçon die Stadt. „Salzburg und Aix haben ungefähr die gleiche Größe und eine ähnliche Kultur. Natürlich gab es hier keinen Mozart, dafür aber Cézanne.“ Auch musikalisch verbindet beide Städte viel: Neben einem großen Sommer- gibt es seit einigen Jahren ein immer populärer werdendes Osterfestival. In Aix-en-Provence fand die erste Ausgabe des Festival de Pâques 2013 unter der Leitung von Renaud Capuçon und Dominique Bluzet, dem Direktor des Grand Théâtre de Provence, statt. „Als ich darüber nachgedacht habe ein Festival zu gründen, erschien mir Aix als perfekter Ort, weil die Stadt so wunderschön und das Wetter bereits an Ostern warm und sonnig ist. Ich konnte es gar nicht glauben, dass vorher noch niemand daran gedacht hatte, hier ein Osterfestival zu gründen, weil es sich für mich so logisch angefühlt hat“, erzählt der Geiger.

© Festival de Pâques/Caroline Doutre

Festivalleiter Renaud Capuçon und Dominique Bluzet

Festivalleiter Renaud Capuçon und Dominique Bluzet

Den größten Unterschied zum Sommerfestival, das sich insbesondere dem Musiktheater verschrieben hat, bildet laut Capuçon das Programm: „Wenn wir Oper machen, dann konzertant. Dadurch können wir viel günstigere Tickets anbieten und ein viel größeres und diverses Publikum erreichen.“ Kostenlose Meisterklassen und Konzerte in Pflege- sowie Seniorenheimen bilden genauso einen Schwerpunkt wie die abendlichen Konzerte. „Die Menschen in der Stadt und der Region sind für uns sehr wichtig. Mit unserem Festival möchten wir ihnen international renommierte Künstler nach Hause bringen, damit sie klassische Musik hautnah erleben können.“ Mit Erfolg: Während in Deutschland die Rückkehr des Publikums noch zögerlich verlief, waren im April praktisch alle 1.366 Plätze im Grand Théâtre de Provence wieder voll besetzt.

© Caroline Doutre

Schon im April 2022 war das Grand Théâtre de Provence wieder voll besetzt

Schon im April 2022 war das Grand Théâtre de Provence wieder voll besetzt

Zehn Jahre Festival de Pâques: Die Namen sprechen für sich

Ein weiteres Herzensprojekt ist die Nachwuchsförderung. Schon seit der ersten Ausgabe stehen junge Musiker gemeinsam mit großen Stars im Rampenlicht. Einer von ihnen war Bilal Alnemr. Der syrische Violinist wurde 2009 eingeladen, seine schulische und musikalische Ausbildung in Aix-en-Provence weiterzuführen, wo Capuçon wenig später auf ihn aufmerksam wurde. Seit 2013 tritt Alnemr an dessen Seite regelmäßig beim Festival de Pâques auf. „Renaud Capuçon und Dominique Bluzet haben mich sehr herzlich empfangen und mir und meiner Musik eine Heimat gegeben“, erzählt der heute 26-Jährige, der seit diesem Jahr im Nachbarort Vauvenargues sein eigenes Festival auf die Beine gestellt hat.

© Caroline Doutre

Bilal Alnemr und Renaud Capuçon beim Festival de Pâques

Bilal Alnemr und Renaud Capuçon beim Festival de Pâques

Nachdem das Festival de Pâques 2020 aufgrund der Corona-Pandemie komplett abgesagt werden musste, entschied man sich 2021 für eine Version ohne Publikum. Dass in diesem Jahr alles wie geplant stattfinden konnte, war eine große Erleichterung und Freude für alle Beteiligten. Eine kleine Einschränkung gab es aber doch: Hauptsächlich französische und französischsprachige Orchester wurden eingeladen, um eine sichere Teilnahme ohne etwaige Einreisequerelen zu garantieren. Dennoch konnten die Besucher auch Musiker aus dem Ausland wie Maria João Pires, Barbara Hannigan und Juan Diego Flórez erleben. Daneben zählt die Aufführung von Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ im ehemaligen Konzentrationslager Camp des Milles zu den Höhepunkten der letzten Ausgabe.

© Irem Cati

Schon zur Osterzeit versprüht Aix-en-Provence mediterranes Flair

Schon zur Osterzeit versprüht Aix-en-Provence mediterranes Flair

Jetzt sind alle Augen auf das zehnjährige Jubiläum im kommenden Jahr gerichtet, dessen Programm vor wenigen Tagen vorgestellt wurde. Die Namen sprechen für sich: Martha Argerich wird kommen, ebenso Lahav Shani und Barbara Hannigan, François-Xavier Roth dirigiert das Gürzenich Orchester, René Jacobs das B’Rock Orchestra und Iván Fischer das Budapest Festival Orchestra. Die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker begleitet das Festival als Residenzorchester. Außerdem wird es einen Wagner-Schwerpunkt geben wie auch Konzerte mit Nachwuchskünstlern und ein buntes Programm für Kinder. Bei den Ausführungen von Capuçon und Bluzet wird deutlich, wie schnell und erfolgreich sich das Festival de Pâques entwickelt hat: Die Zahl der auftretenden Musiker wie auch der Besucher hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und das Festival ist zu einer festen Institution der Stadt und der Region geworden. Finanziell und planerisch blickt es in eine rosige Zukunft. Das Publikum kann sich also getrost auf viele weitere Osterfestivals in Aix-en-Provence freuen.

Termine

Donnerstag, 02.02.2023 11:00 Uhr Mozarteum Salzburg

Camerata Salzburg, Renaud Capuçon

Mozartwoche Salzburg
Montag, 13.03.2023 19:30 Uhr Pierre Boulez Saal Berlin

Renaud Capuçon, Guillaume Bellom

Canal: Sonate, Dusapin: Forma fluens, Sohy: Thème varié op. 15, Fauré: Sonate Nr. 1 A-Dur op. 13

Sonntag, 19.03.2023 18:00 Uhr Neue Universität Heidelberg

Renaud Capuçon, Igor Levit

Heidelberger Frühling
Donnerstag, 20.04.2023 20:00 Uhr Beethoven-Haus Bonn

Renaud Capuçon, Kian Soltani, Lahav Shani

Mendelssohn: Klaviertrio N. 1 d-Moll op. 49, Tschaikowsky: Klaviertrio a-Moll op. 50

Samstag, 22.04.2023 16:00 Uhr Konzerthaus Dortmund

Renaud Capuçon, Kian Soltani, Lahav Shani

Mendelssohn: Klaviertrio N. 1 d-Moll op. 49, Tschaikowsky: Klaviertrio a-Moll op. 50 „ Á la mémoire d’un grand artiste“

Freitag, 16.06.2023 20:00 Uhr Kölner Philharmonie

Renaud Capuçon, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru

Dvořák: Romanze op. 11, Bartók: Violinkonzert Nr. 1 op. posth. Sz 36, Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur

Samstag, 17.06.2023 20:00 Uhr Kölner Philharmonie

Renaud Capuçon, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru

Dvořák: Romanze op. 11, Bartók: Violinkonzert Nr. 1 op. posth. Sz 36, Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur

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